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Waldmeister-Buchenwälder (Asperulo-Fagetum)


Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)



Beschreibung:

Zum Lebensraumtyp gehören wüchsige Buchenwälder auf kalkhaltigen bis mäßig sauren, teilweise nährstoffreichen, oft lehmigen Böden. Die Buche ist die dominierende Baumart, Nebenbaumarten sind außer Bergahorn und Eiche auch Esche, Linde und Hainbuche. In der Regel ist die Krautschicht dieser Wälder gut ausgebildet, oft ist sie reich an Frühjahrsblühern.


Bedeutung:

Buchenwälder sind für eine sehr hohe Zahl der west- und mitteleuropäischen Tierarten primärer Lebensraum. Besonders bedeutsam sind naturnahe Waldmeister-Buchenwälder, deren Baumartenzusammensetzung und Bodenvegetation den natürlichen Standortbedingungen entspricht. Die geophytenreichen Waldmeister-Buchenwälder sind vor allem im Frühling besonders attraktiv. Eindrucksvolle Waldbilder ergeben sich zur Blütezeit des Bärlauchs.


Vegetation:

Galio odorati-Fagetum (Waldmeister-Buchenwald)
Hordelymo-Fagetum (Waldgersten-Buchenwald)


Typische Pflanzenarten:

Rotbuche (Fagus sylvatica)
Bergahorn (Acer pseudoplatanus)
Stieleiche (Quercus robur)
Traubeneiche (Quercus petraea) 
Esche (Fraxinus excelsior)
Winterlinde (Tilia cordata)
Hainbuche (Carpinus betulus)
Vogelkirsche (Prunus avium) 
Waldmeister (Galium odoratum) 
Einblütiges Perlgras (Melica uniflora) 
Ausdauerndes Bingelkraut (Mercurialis perennis) 
Waldgerste (Hordelymus europaeus) 
Europäische Haselwurz (Asarum europaeum) 
Zwiebeltragende Zahnwurz (Cardamine bulbifera) 
Goldnessel (Lamium galeobdolon) 
Buschwindröschen (Anemone nemorosa) 
Bär-Lauch (Allium ursinum) 
Leberblümchen (Hepatica nobilis) 
Zahlreiche weitere Basen- und Kalkzeiger der Buchenwälder


Bild 1 Buschwindröschen
Bild 2 Bärlauch
Bild 3 Waldmeister
Typische Tierarten:

Säugetiere
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) ->
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)

Vögel
Schwarzspecht (Dryocopus martius) ->
Hohltaube (Columba oenas)
Kleiber (Sitta europaea)
Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix)


Bild 1 Hohltaube
Bild 2 Kleiber
Bild 3 Schwarzspecht
Verbreitung:

Dieser Lebensraumtyp konzentriert sich in Rheinland-Pfalz auf den Bereich nördlich der Mosel, vor allem das Gutland (Bitburger Land), die Eifel und den Westerwald. Sehr selten kommt der Waldmeister-Buchenwald in Hunsrück, Pfälzerwald und im Oberrhein-Tiefland vor. Der Waldgersten-Buchenwald auf i. d. R. tiefgründig-lehmigen Kalkstandorten mittlerer Bodenfeuchte tritt vor allem in der Kalkeifel auf; die Artenzusammensetzung ähnelt sehr derjenigen des Waldmeister-Buchenwaldes.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5212-302 - Sieg
5212-303 - Nistertal und Kroppacher Schweiz
5213-301 - Wälder am Hohenseelbachkopf
5310-302 - Asbacher Grubenfeld
5312-301 - Unterwesterwald bei Herschbach
5314-304 - Feuchtgebiete und Heiden des Hohen Westerwaldes
5408-302 - Ahrtal
5410-301 - Wälder zwischen Linz und Neuwied
5410-302 - Felsentäler der Wied
5413-301 - Westerwälder Kuppenland
5506-302 - Aremberg
5507-301 - Wälder am Hohn
5509-301 - NSG Laacher See
5509-302 - Vulkankuppen am Brohlbachtal
5510-302 - Rheinhänge zwischen Unkel und Neuwied
5511-302 - Brexbach- und Saynbachtal
5512-301 - Montabaurer Höhe
5605-306 - Obere Kyll und Kalkmulden der Nordeifel
5607-301 - Wälder um Bongard in der Eifel
5608-302 - Nitzbach mit Hangwäldern zwischen Virneburg und Nitztal
5608-303 - Wacholderheiden der Osteifel
5610-301 - Nettetal
5613-301 - Lahnhänge
5704-301 - Schneifel
5705-301 - Duppacher Rücken

Es werden 25 Gebiete von 64 angezeigt
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Links:

www.schmitzens-botanikseite.de/archiv.htm


Literatur:

Bendowski, G. (1986): Naturnahe Waldgesellschaften und Forsten und deren potenzielle natürliche Vegetation der Trierer Trias-Landschaft am Beispiel des Bitburger Gutlandes. Diplomarbeit FB Geographie der Universität Trier. 134 pp.

Fichtner, A. (2009): Einfluss der Bewirtschaftungsintensität auf die Wachstumsdynamik von Waldmeister-Buchenwäldern (Galio odorati-Fagetum). Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg 66. 150 pp.

Gunnemann, H.; Fartmann, T. (2001): Ökologische Charakterisierung der Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie. In: Berichtspflichten in Natura 2000-Gebieten. Angewandte Landschaftsökologie 42: 602-611.

Knecht, H.-J. (1978): Ökologische und faunistische Untersuchungen an Schnecken der Eifel (Mollusca: Gastropoda). Decheniana 131: 198-220.

LfUG; FÖA (1993): Planung Vernetzter Biotopsysteme. Bereich Landkreis Westerwald. Ministerium für Umwelt Rheinland-Pfalz, Mainz und Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, Oppenheim (Hrsg). 214 pp., Anhänge, Karten.

Rosenkranz, L.; Wippel, B. (2012): Erhaltungszustandsbewertung und Maßnahmenplanung von FFH-Buchen-Lebensraumtypen. Ein bundesweiter Vergleich. AFZ 67(20): 8-9.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Oppenheim (Hrsg.). 136 pp.

Winter, S.; Seif, J. (2011): Bewertungskriterien zum Erhaltungszustand von Natura-2000-Buchenwald-Lebensraumtypen. Vergleich verschiedener Bundesländer und Umsetzung in Managementplänen. Naturschutz und Landschaftsplanung 43(4): 101-110.


Copyright LfU - Stand: 18.07.2013