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Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo-Fagetum)


Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)



Beschreibung:

Namengebend für die Hainsimsen-Buchenwälder ist die Weiße Hainsimse. Hainsimsen-Buchenwälder sind in Rheinland-Pfalz weit verbreitet. Sie kommen auf mittel- bis tiefgründigen, sauren und relativ nährstoffarmen Böden über Silikatgestein, Kolluvien oder Sandböden von der Ebene bis in die Kammlagen der Mittelgebirge vor.

Die dominierende Baumart ist die Rotbuche. In der Baumschicht können Stiel- oder Traubeneiche beigemischt sein. Die Beimischung der Eiche geht häufig auf menschlichen Einfluss zurück. Die Bodenvegetation ist nur spärlich ausgebildet.

Zu diesem Lebensraumtyp zählen auch feuchte Mischwälder basenarmer Standorte mit Eichen und Buchen. In den Tieflagen, insbesondere in den breiten Tallagen der großen Ströme, fehlt die Weiße Hainsimse oder tritt deutlich zurück. Hier, beispielsweise auf basenhaltigen Kalksandböden im Oberrheinischen Tiefland, kann der Flattergras-Buchenwald als lage- und klimabedingte Variante des Hainsimsen-Buchenwaldes angesehen werden.


Bedeutung:

Die „artenarmen“ Buchenwälder sind der primäre Lebensraum für eine hohe Anzahl west- und mitteleuropäischer Tierarten. Beispielsweise wurden auf nur vier Untersuchungsflächen der Eifel-Buchenwälder (F. Köhler) 1218 Käferarten nachwiesen. Besonders bedeutsam sind naturnahe Hainsimsen-Buchenwälder, in denen alle Stadien der Waldentwicklung vertreten sind.


Vegetation:

Luzulo-Fagetum (Hainsimsen-Buchenwald) (einschließlich ehem. Fago-Quercetum) 
Milio-Fagetum (Flattergras-Buchenwald)


Typische Pflanzenarten:

Rotbuche (Fagus sylvatica)
Traubeneiche (Quercus petraea) 
Stieleiche (Quercus robur) 
Weiße Hainsimse (Luzula luzuloides) 
Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa) 
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) 
Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella) 
Schönes Frauenhaar-Moos (Polytrichum formosum)
Adlerfarn (Pteridium aquilinum)


Bild 1 Adlerfarn
Bild 2 Drahtschmiele
Bild 3 Heidelbeere
Bild 4 Wald-Sauerklee
Typische Tierarten:

Säugetiere
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) ->
Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)
Luchs (Lynx lynx) ->
Wildkatze (Felis sylvestris)

Vögel
Schwarzspecht (Dryocopus martius) ->
Hohltaube (Columba oenas)
Raufußkauz (Aegolius funereus) ->)
Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix)
Kleiber (Sitta europaea)
Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca)

Schmetterlinge
Nagelfleck (Aglia tau)
Buchen-Zahnspinner (Stauropus fagi)
Buchen-Frostspanner (Operopthera fagata)

Käfer
Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus) ->
Hirschkäfer (Lucanus cervus) ->
Buchenspringrüssler (Rhynchaenus fagi)


Bild 1 Hirschkäfer
Bild 2 Hohltaube
Bild 3 Luchs
Bild 4 Raufußkauz
Bild 5 Schwarzspecht
Bild 6 Tauerschnäpper
Bild 7 Veilchenblauer Wurzelhals-Schnellkäfer
Bild 8 Wldkatze
Verbreitung:

Rheinland-Pfalz liegt im Zentrum des europäischen Verbreitungsraumes der Buchenwälder. Bodensaure Hainsimsen-Buchenwälder kommen in fast allen Naturräumen von Rheinland-Pfalz vor. In den Mittelgebirgen bedecken sie noch größere Flächen. Damit hat Rheinland-Pfalz eine besondere Verantwortung zur Sicherung der Hainsimsen-Buchenwälder in Europa.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5113-302 - Giebelwald
5211-301 - Leuscheider Heide
5212-302 - Sieg
5212-303 - Nistertal und Kroppacher Schweiz
5213-301 - Wälder am Hohenseelbachkopf
5309-305 - Asberg bei Kalenborn
5310-303 - Heiden und Wiesen bei Buchholz
5312-301 - Unterwesterwald bei Herschbach
5314-304 - Feuchtgebiete und Heiden des Hohen Westerwaldes
5408-302 - Ahrtal
5410-301 - Wälder zwischen Linz und Neuwied
5410-302 - Felsentäler der Wied
5412-301 - Westerwälder Seenplatte
5413-301 - Westerwälder Kuppenland
5506-302 - Aremberg
5507-301 - Wälder am Hohn
5509-301 - NSG Laacher See
5509-302 - Vulkankuppen am Brohlbachtal
5510-302 - Rheinhänge zwischen Unkel und Neuwied
5511-302 - Brexbach- und Saynbachtal
5512-301 - Montabaurer Höhe
5605-306 - Obere Kyll und Kalkmulden der Nordeifel
5607-301 - Wälder um Bongard in der Eifel
5608-302 - Nitzbach mit Hangwäldern zwischen Virneburg und Nitztal
5608-303 - Wacholderheiden der Osteifel

Es werden 25 Gebiete von 82 angezeigt
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Links:

www.schmitzens-botanikseite.de/luzfag/luzfag2.htm#Charakterarten


Literatur:

Grimm, R. (1983): Die Wanderflüge von Rhynchaenus fagi L. - Freilanduntersuchungen zum Rückflug in Buchenwälder. Verhandlungen der Gesllschaft für Ökologie (Mainz 1981) 10: 51-55.

Gunnemann, H.; Fartmann, T. (2001): Ökologische Charakterisierung der Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie. In: Berichtspflichten in Natura 2000-Gebieten. Angewandte Landschaftsökologie 42: 599-601.

Hartmann, F.-K. (1974): Mitteleuropäische Wälder. Zur Einführung in die Waldgesellschaften des Mittelgebirgsraumes in ihrer Bedeutung für Forstwirtschaft und Umwelt. G. Fischer Verlag, Stuttgart. 214 pp.
 
Klauck, E.-J. (1985): Natürliche Laubwaldgesellschaften im südwestlichen Hunsrück. Eine vegetationskundliche Untersuchung im Schwarzwälder Hochwald. Haag + Herchen Verlag, Frankfurt/Main. 74 pp.

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Leder, B.; Marckmann, C.; Schlüter, R.; Röhl, J.; Späth, R. (2012): Monitoring: Entwicklung des Lebensraumtyps Hainsimsen-Buchenwald. Natur in NRW 37(4): 18-21.

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Oberdorfer, E. (1992): Süddeutsche Pflanzengesellschaften IV. Gustav Fischer Verlag. Textband 282 pp. Tabellenband 580 pp.

Rosenkranz, L.; Wippel, B. (2012): Erhaltungszustandsbewertung und Maßnahmenplanung von FFH-Buchen-Lebensraumtypen. Ein bundesweiter Vergleich. AFZ 67(20): 8-9.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Oppenheim (Hrsg.). 136 pp.

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Copyright LfU - Stand: 16.07.2013