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Höhlen


Beschreibung:

Zu diesem Lebensraumtyp gehören Höhlen und Halbhöhlen (Balmen), einschließlich ihrer Höhlengewässer, sofern diese weder touristisch noch wirtschaftlich genutzt werden.
 
Natürliche Höhlen sind meist durch Auslaugungsvorgänge entstanden und treten demzufolge vorrangig in Gebieten mit löslichen Gesteinen auf. Karst- und Tropfsteinhöhlen sind typisch für Kalkgebiete. Künstliche Hohlräume entstanden infolge bergbaulicher Aktivitäten, so auch die Birresborner Eishöhlen im Landkreis Vulkaneifel.

Höhlen zeichnen sich durch ein ausgeglichenes Temperatur- und Feuchteregime aus, und das Tageslicht dringt nicht über den Eingangsbereich hinaus ins Innere ein. Das Pflanzenwachstum beschränkt sich weitgehend auf Moose, Algen und Flechten.


Bedeutung:

Eine besondere Bedeutung des Lebensraums Höhle liegt in seiner Funktion als Unterkunft für Fledermäuse. Die meisten unserer einheimischen Fledermausarten nutzen die unterirdischen Hohlräume als Winterquartier. Der Feuersalamander und Köcherfliegen, zum Beispiel Stenophylax mitis, die die regenarme Sommerzeit dort überdauert, nutzen Höhlen als Teillebensraum.
 
Die Radnetzspinne Meta menardi zählt zu den charakteristischen Tieren, die ausschließlich in Höhlen leben. Hoch spezialisierte Tierarten, darunter Spinnen und Krebse, haben sich an die spezifischen ökologischen Verhältnisse und das Leben in völliger Dunkelheit angepasst. Sie besitzen weder Pigmente noch Augen und sind zum Überleben auf diesen Lebensraumtyp angewiesen.


Vegetation:

Im Bereich des Höhleneingangs können Moose, Algen und Flechten auftreten, an Höhlendecken auch der Prächtige Dünnfarn.


Typische Pflanzenarten:

Prächtiger Dünnfarn (Trichomanes speciosum) ->


Bild 1 Prächtiger Dünnfarn
Typische Tierarten:

Fledermäuse
Mopsfledermaus (Barbarstella barbarstellus) ->
Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) ->
Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
Wimperfledermaus (Myotis emarginatus) ->
Großes Mausohr (Myotis myotis) ->
Große Bartfledermaus (Myotis brandti)
Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) ->
Teichfledermaus (Myotis dasycneme) ->
Nordfledermaus (Eptesicus nilssoni)

Reptilien
Feuersalamander (Salamandra salamandra)


Bild 1 Fansenfledermaus
Bild 2 Feuersalamander
Bild 3 Große Hufeisennase
Bild 4 Großes Mausohr
Bild 5 Wimperfledermaus
Verbreitung:

Die höchste Anzahl Höhlen weist der Hunsrück auf, gefolgt von Eifel und Mittelrhein. Im Gutland kommt dieser Lebensraumtyp seltener vor, dient hier aber der sehr seltenen Großen Hufeisennase als Quartier. Weitere Standorte finden sich im Saar-Nahe-Bergland und im Pfälzerwald.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5212-303 - Nistertal und Kroppacher Schweiz
5410-302 - Felsentäler der Wied
5613-301 - Lahnhänge
5706-303 - Gerolsteiner Kalkeifel
5714-303 - Taunuswälder bei Mudershausen
5804-301 - Schönecker Schweiz
5805-302 - Birresborner Eishöhlen und Vulkan Kalem
5908-302 - Kondelwald und Nebentäler der Mosel
6003-301 - Ourtal
6012-303 - Dörrebach bei Stromberg
6305-302 - Nitteler Fels und Nitteler Wald
6812-301 - Biosphärenreservat Pfälzerwald


Links:

www.hoehlentier.de/2011.html
www.rhein-lahn-info.de/geschichte/rhein-lahn/hoehlenforschung.htm


Literatur:

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Copyright LfU - Stand: 16.07.2013