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Kalkhaltige Schutthalden *


Beschreibung:

Zum Lebensraumtyp Kalkhaltige Schutthalden gehören natürliche und naturnahe Schutthalden aus kalkhaltigem Ausgangsgestein, oft an trocken-warmen Standorten. Je nachdem, ob das Gestein in Form von Blöcken, Platten oder feingrusigem Schutt vorliegt, existieren in Abhängigkeit von der Stabilität des Substrates und seinem Alter sowie je nach Exposition unterschiedliche Standortbedingungen. Dies wiederum bedingt eine unterschiedliche Tier- und Pflanzenwelt. Die Vegetationsbedeckung ist oft gering. Die Vegetation  ist teilweise von Farnen, Moosen und Flechten geprägt und an trocken-warmen Standorte zum Beispiel vom Schmalblättrigen Hohlzahn.

In Rheinland-Pfalz kommen die typischen Pflanzengesellschaften dieses Lebensraumtyps überwiegend auf nicht kalkhaltigen Ausgangsgesteinen (Melaphyr, Porphyr)  vor. Die besiedelten Wuchsorte sind jedoch im Regelfall basenreich.


Bedeutung:

Die typischen Pflanzengesellschaften der Kalkschutthalden sind in Rheinland-Pfalz selten und beherbergen einige auf diesen Lebensraumtyp hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Kalkhaltige Schutthalden sind außerdem von hoher Bedeutung als Teillebensraum von Tierarten wie Smaragd-, Zaun- und Mauereidechse, Schlingnatter sowie verschiedenen Schmetterlings- und Hautflüglerarten.


Vegetation:

Gymnocarpietum robertiani (Ruprechtsfarn-Gesellschaft): Im Gegensatz zu den Angaben in der Literatur, wonach diese Gesellschaft Kalkschutt zugeordnet wird, wachsen die Vorkommen in Rheinland-Pfalz auf Schieferfelsen.
Vincetoxicum hirundinaria-Gesellschaft (Schwalbenwurz-Gesellschaft)
Rumicetum scutati (Schildampfer-Gesellschaft): In Rheinland-Pfalz sowohl auf Kalkschutt als auch auf Porphyr, Melaphyr und Devonschiefer
Galeopsietum angustifoliae (Gesellschaft des Schmalblättrigen Hohlzahns)


Typische Pflanzenarten:

Ruprechtsfarn (Gymnocarpium robertianum)
Zerbrechlicher Blasenfarn (Cystopteris fragilis)
Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria)
Schild-Ampfer (Rumex scutatus)
Schmalblättriger Hohlzahn (Galeopsis angustifolia)
Breitblättriger Hohlzahn (Galeopsis ladanum)
Kleines Leinkraut (Chaenorhinum minus)
Sand-Schaumkresse (Cardaminopsis arenosa)
Spiralzahnmoos (Tortella tortuosa)
Mauer-Drehzahnmoos (Tortula muralis)
Flechten: Caloplaca flavescens, Catillaria lenticularis, Collema fuscovirens, Protoblastenia rupestris


Bild 1 Schild-Ampfer
Typische Tierarten:

Schmetterlinge
Apollofalter (Parnassius apollo)
Berghexe (Chazara briseis)
Roter Scheckenfalter (Melitaea didyma)
Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica)
Ampfer-Glasflügler (Pyropteron chrysidiformis)

Heuschrecken
Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica)
Steppengrashüpfer (Chorthippus vagans)
Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus)

Hautflügler

Bienen: Osmia ravouxi, Osmia villosa


Bild 1 Apollofalter
Bild 2 Berghexe
Bild 3 Esparsetten-Widderchen
Bild 4 Italienische Schönschrecke
Bild 5 Rotflügelige Ödlandschrecke
Verbreitung:

Die meisten Ausbildungen des Lebensraumtyps Kalkhaltige Schutthalden konzentrieren sich auf die Eifel und die Täler von Mosel und Nahe.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5605-306 - Obere Kyll und Kalkmulden der Nordeifel
5706-303 - Gerolsteiner Kalkeifel
5714-303 - Taunuswälder bei Mudershausen
5804-301 - Schönecker Schweiz
5805-302 - Birresborner Eishöhlen und Vulkan Kalem
6004-301 - Ferschweiler Plateau
6205-301 - Sauertal und Seitentäler
6205-302 - Obere Mosel bei Oberbillig
6212-303 - Nahetal zwischen Simmertal und Bad Kreuznach
6305-302 - Nitteler Fels und Nitteler Wald
6309-301 - Obere Nahe
6405-303 - Serriger Bachtal und Leuk und Saar
6411-303 - Grube Oberstaufenbach
6414-301 - Kalkmagerrasen zwischen Ebertsheim und Grünstadt
6812-301 - Biosphärenreservat Pfälzerwald


Links:

www.floraweb.de/vegetation/gesellschaften.html
www.schmitzens-botanikseite.de/archiv.htm
www.ffh-anhang4.bfn.de/ffh-anhang4-apollofalter.html


Literatur:

Bettag, E. (1991): Zur Biologie und Verbreitung einiger Glasflügler (Lep., Aegeriidae) in Rheinhessen-Pfalz. Pfälzer Heimat 42(2): 82-84.

Korneck, D. (1974): Xerothermvegetation in Rheinland-Pfalz und Nachbargebieten. Schriftenreihe für Vegetationskunde 7. 196 pp. Anhang.

Oberdorfer, E. (1977): Süddeutsche Pflanzengesellschaften I. Gustav Fischer Verlag. 311 pp.

Oberdorfer, E. (1978): Süddeutsche Pflanzengesellschaften II. Gustav Fischer Verlag. 355 pp.

Pott, R. (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. 2. Aufl. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. 622 pp.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz. Oppenheim. 136 pp.

Westrich, P. (1989): Die Wildbienen Baden-Württembergs. Allg. Teil. Lebensräume, Verhalten, Ökologie und Schutz. Ulmer. Stuttgart. 431 pp.


Copyright LfU - Stand: 15.07.2013
* = Prioritärer Lebensraumtyp