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Brenndolden-Auenwiesen


Brenndolden-Auenwiesen (Cnidion dubii)

Stromtalwiese

Beschreibung:

Brenndolden-Auenwiesen wachsen überwiegend in wechselnassen Bereichen der Auen der großen Flüsse. Entscheidend für die Ausbildung des Lebensraumtyps sind Überflutungen. Im Frühjahr und Frühsommer können diese Wiesen sehr lange überschwemmt sein. In niederschlagsarmen, warmen Sommern dagegen trocknen die tonigen Böden weitgehend aus. Die charakteristischen Pflanzenarten der Stromtalwiesen sind in der Lage, beides gut zu überstehen.

Brenndolden-Auenwiesen werden als Streuwiesen (Einstreu für die Viehställe) genutzt, nicht gedüngt und höchstens einmal, und zwar im Spätherbst, gemäht. In der Oberrheinebene stehen sie im Kontakt mit Stromtal-Ausbildungen der Pfeifengraswiesen und der feuchten Hochstaudenfluren.


Bedeutung:

Brenndolden-Auenwiesen im Oberrheintal liegen an der westlichen Arealgrenze ihres Verbreitungsgebietes - ihr Schwerpunkt liegt im kontinentalen Osteuropa - und sind von beeindruckender Vielfalt, da hier neben den kontinentalen auch Pflanzenarten mit submediterraner oder atlantischer Verbreitung am Vegetationsaufbau beteiligt sind. Viele Pflanzenarten der Brenndolden-Auenwiesen sind in Rheinland-Pfalz bestandsbedroht oder sehr selten. Die Sumpfwiesen-Schwertlilie (Iris spuria) kommt in Westdeutschland nur zwischen Mainz und Worms vor. Vordringlich ist der Schutz aller noch verbliebenen Bestände. Darüber hinaus sind in Rheinland-Pfalz die Voraussetzungen für die Wiederentwicklung von Stromtalwiesen relativ günstig. Potenzielle Standorte wurden im Rahmen eines Artenschutzprojektes „Stromtalwiesen“ erfasst.


Vegetation:

Cnidion dubii (Brenndolden-Gesellschaften)
Violo-Cnidietum (Zwergveilchen-Brenndolden-Gesellschaft)
Allium angulosum-Gesellschaft (Kantenlauch-Gesellschaft)
Oenantho lachenalii-Molinietum (Fenchel-Pfeifengraswiese)


Typische Pflanzenarten:

Kantiger Lauch (Allium angulosum)
Brenndolde (Cnidium dubium) 
Sumpfwiesen-Schwertlilie (Iris spuria)
Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)
Rauhe Gänsekresse (Arabis hirsuta)
Gnadenkraut (Gratiola officinalis) 
Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris) 
Sumpf-Knabenkraut (Orchis palustris) 
Arznei-Haarstrang (Peucedanum officinale) 
Hohes Veilchen (Viola elatior) 
Gräben-Veilchen (Viola persicifolia) 
Niedriges Veilchen (Viola pumila) 
Hartmans Segge (Carex hartmanii)
Moor-Segge (Carex buxbaumii)
Spießblättriges Helmkraut (Scutellaria hastifolia) 
Langblättriger Ehrenpreis (Veronica longifolia)
Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris)


Bild 1 Arznei-Haarstrang
Bild 2 Brenndolde
Bild 3 Gnadenkraut
Bild 4 Hartmans Segge
Bild 5 Kantiger Lauch
Bild 6 Langblättriger Ehrenpreis
Bild 7 Niedriges Veilchen
Bild 8 Sibirische Schwertlilie
Bild 9 Sumpf-Knabenkraut
Bild 10 Sumpf-Platterbse
Bild 11 Sumpfwiesen-Schwertlilie
Typische Tierarten:

Amphibien
Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)
Kamm-Molch (Triturus cristatus) - > 

Schmetterlinge

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) - >
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) - >
Haarstrang-Wurzeleule (Gortyna borelii) - >

Heuschrecken
Lauchschrecke (Mecostethus parapleurus)
Sumpfschrecke (Stethophyma grossum)
Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii)

Käfer
Blauhals-Schnelläufer (Diachromus germanus)

Eine Tiergruppe mit besonders vielen seltenen Arten der Stromtalauenwiesen sind die Laufkäfer, die hervorragend an die unregelmäßigen Überschwemmungen dieses Lebensraumes angepasst sind und trocken fallende Flächen schnell besiedeln können.


Bild 1 Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Bild 2 Haarstrang-Wurzeleule
Bild 3 Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Bild 4 Kamm-Molch
Bild 5 Knoblauchkröte
Bild 6 Lauchschrecke
Bild 7 Roesels Beißschrecke
Bild 8 Sumpfschrecke
Verbreitung:

In Rheinland-Pfalz kommt dieser extrem seltene und gefährdete Lebensraumtyp ausschließlich in der naturräumlichen Einheit "Oberrheintiefland" vor. Schwerpunkte sind die Bereiche Laubenheim-Bodenheim, südlich von Oppenheim und in der Umgebung von Speyer sowie der Speyerbach-Schwemmkegel.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried
6116-305 - Rheinniederung zwischen Gimbsheim und Oppenheim
6216-302 - Eich-Gimbsheimer Altrhein
6616-301 - Speyerer Wald und Haßlocher Wald und Schifferstädter Wiesen
6616-304 - Rheinniederung Speyer-Ludwigshafen
6715-301 - Modenbachniederung
6716-301 - Rheinniederung Germersheim-Speyer
6816-301 - Hördter Rheinaue


Links:

www.luwg.rlp.de/Aktuell
http://bad-kreuznach.pollichia.de/berichte/botex/ziele/oppenheim/oppenheim.htm
www.uni-giessen.de/stromtalwiesen/ee/
http://www.riedstadt.de/site/umwelt/projekt_stromtalwiesen.html
www.bfn.de/0202_stromtalwiesen.html
www.dbu.de/123artikel29398_1038.html
www.ffh-anhang4.bfn.de/ffh-anhang4-knoblauchkroete.html


Literatur:

Andres, C.; Westhus, W. (2000): Artenhilfsmaßnahmen für hochgradig gefährdete Stromtalpflanzen. Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen 37(2): 33-38.

Ernst, M. (1999): Das Lebensraumspektrum der Ameisenbläulinge Maculinea nausithous und Maculinea teleius im Regierungsbezirk Darmstadt (Hessen) sowie Vorschläge zur Erhaltung ihrer Lebensräume. Natur und Landschaft 74(7/8): 299-305.

Gunnemann, H.; Fartmann, T. (2001): Ökologische Charakterisierung der Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie. In: Berichtspflichten in Natura 2000-Gebieten. Angewandte Landschaftsökologie 42: 542-549.

Hölzel, N.; Bissels, S.; Donath, T. W.; Handke, K.; Harnisch, M.; Otte, A. (2006): Renaturierung von Stromtalwiesen am hessischen Oberrhein. Ergebnisse eines E+E-Vorhabens des Bundesamtes für Naturschutz. Naturschutz und Biologische Vielfalt 31. 263 pp.

Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie (2000): Artenschutzprojekt „Stromtalwiesen und ihre charakteristischen Arten in Rheinland-Pfalz“. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, Oppenheim (Hrsg.). Aufl. 2002. 44 pp.

Kapfer, A. (1995): Streuwiesen und Nasswiesen. Biotope in Baden-Württemberg 5: 1-49.

Lang, W.; Wolff, P. (1993): Flora der Pfalz: Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen für die Pfalz und ihre Randgebiete. Veröffentlichung der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Speyer 85. 444 pp.

Liepelt, S.; Suck, R. (1989): Die Stromtalwiesen und ihre charakteristischen Arten in Rheinland-Pfalz - ein Schutz- und Pflegekonzept. Beiträge Landespflege Rheinland-Pfalz 12: 77-175.

Metzner, A.; Höllgärtner, M. (2009): Erfassungen zu den Pflanzenarten der Stromtalwiesen in der Pfalz 2008. GNOR Info 108: 35-36.

Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (1996): Besonders geschützte Biotoptypen. Naturschutz bei uns. 47 pp.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz. Oppenheim. 136 pp.


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