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Trockenrasen (Festuco-Brometalia), mit Orchideenreichtum *


Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia), (* besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)

Kalktrockenrasen mit Himantoglossum

Beschreibung:

Trockenrasen (Xerobromion) kommen als natürliche Vegetation nur auf felsigen, flachgründigen, feinerdearmen Standorten vor. Gemeinsam mit den durch extensive Beweidung oder Mahd entstandenen Halbtrockenrasen (Mesobromion) gehören sie zum Lebensraum der Festuco-Brometea. Die Vegetation der Trocken- und Halbtrockenrasen ist auf wärmebegünstigte trockene und basen- bzw. kalkreiche Böden spezialisiert. Die von kleinwüchsigen Gräsern und Kräutern geprägte kurzrasige Vegetationsdecke ist oft von nur sehr lückig bewachsenen Bereichen oder auch felsigen Partien unterbrochen.
 
Vor allem die Halbtrockenrasen können zahlreiche Orchideen- und Enzianarten enthalten. Bestände mit bemerkenswerten Orchideen sind prioritärer Lebensraum. Wird aber die Nutzung aufgegeben, verbuschen Halbtrockenrasen rasch. Auf den sehr kargen Standorten der echten Trockenrasen dagegen können Gehölze kaum Fuß fassen. Sie treten nur vereinzelt in niedrig- bis krüppelwüchsigen bizarren Formen auf.


Bedeutung:

Kalkmagerrasen zählen zu den artenreichsten und bedeutendsten Lebensräumen in Rheinland-Pfalz und ganz Mitteleuropa. Sie entwickeln einen Reichtum an Formen und Farben, der durch die vielfältigen geologischen Voraussetzungen, besondere klimatische Verhältnisse und unterschiedliche Nutzungsformen begünstigt wird. Mit angrenzenden Felslebensräumen und Trockenwäldern bilden sie einzigartige Lebensraumkomplexe.

Das vielfältige, bunte Erscheinungsbild der Flora und die lange Blütezeit haben eine artenreiche Insektenfauna im Gefolge. Insbesondere die Tagfalter und Widderchen verleihen diesen Lebensräumen gemeinsam mit dem bunten Blütenspektrum einen besonderen ästhetischen Reiz. Halbtrockenrasen sind darüber hinaus infolge ihrer Nutzungsgeschichte von besonderer heimatkundlicher und kulturhistorischer Bedeutung.


Vegetation:

Trockenrasen
Viscario-Festucetum = Genistello-Phleetum (Glanzlieschgras-Schafschwingelrasen)
Xerobrometum (Trespen-Trockenrasen)

Halbtrockenrasen
Gentiano-Koelerietum pyramidatae (Enzian-Schillergrasheide): beweidungsbedingte Halbtrockenrasen 
Mesobrometum (Esparsetten-Halbtrockenrasen): mahdbedingte Halbtrockenrasen 
Viscario-Avenetum pratensis (Pechnelken-Wiesenhaferrasen): bodensaure Halbtrockenrasen


Typische Pflanzenarten:

Trockenrasen
Zarter Lein (Linum tenuifolium)
Lothringer Lein (Linum leonii) 
Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) 
Gewöhnliches Nadelröschen (Fumana procumbens)
Gold-Aster (Aster linosyris) 
Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata)
Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Gewöhnliche Pechnelke (Silene viscaria)
Federgras-Arten (Stipa spp.)
Derber Schwingel (Festuca heteropachys) 
Zierliche Kammschmiele (Koeleria macrantha) 
Flügelginster (Chamaespartium sagittale)

Orchideenreiche Halbtrockenrasen 
Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule)
Golddistel (Carlina vulgaris)
Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera)
Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)
Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica)
Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)
Kleines Knabenkraut (Orchis morio) 
Pyramiden-Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis)
Fransen-Enzian (Gentianella ciliata)
Deutscher Enzian (Gentianella germanica)
Pyramiden-Kammschmiele (Koeleria pyramidata)
Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)
Mücken-Handwurz (Gymnadenia conopsea)
Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus)
Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)
Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia)
Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa)
Aufrechte Trespe (Bromus erectus)


Bild 1 Bienen-Ragwurz
Bild 2 Bocks-Riemenzunge
Bild 3 Federgras
Bild 4 Fliegen-Ragwurz
Bild 5 Flügelginster
Bild 6 Gewöhnliche Küchenschelle
Bild 7 Gewöhnliche Pechnelke
Bild 8 Gewöhnliches Sonnenröschen
Bild 9 Gold-Aster
Bild 10 Helm-Knabenkraut
Bild 11 Hummel-Ragwurz
Bild 12 Karthäuser-Nelke
Bild 13 Kleines Knabenkraut
Bild 14 Lothringer Lein
Bild 15 Mücken-Handwurz
Bild 16 Pyramiden-Kammschmiele
Bild 17 Pyramiden-Spitzorchis
Typische Tierarten:

Vögel
Zippammer (Emberiza cia) ->
Heidelerche (Lullula arborea) ->
Neuntöter (Lanius collurio) ->

Reptilien
Schlingnatter (Coronella austriaca)
Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata)

Schmetterlinge
Segelfalter (Iphiclides podalirius)
Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) ->
Roter Scheckenfalter (Melitaea didyma)
Apollofalter (Parnassius apollo)
Berghexe (Chazara briseis)
Quendel-Ameisenbläuling (Maculinea arion)
Silbergrüner Bläuling (Polyommatus coridon)
Westlicher Quendel-Bläuling (Pseudophilotes baton)
Braunauge (Lasiommata maera)
Hufeisenklee-Gelbling (Colias alfacariensis)
Roter Würfel-Dickkopffalter (Spialia sertorius)
Steppenheide-Würfel-Dickkopffalter (Pyrgus carthami)
Sonnenröschen-Glasflügler (Synansphecia affinis)
Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica)

Heuschrecken
Gottesanbeterin (Mantis religiosa)
Verkannter Grashüpfer (Chorthippus mollis)
Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens)
Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica)

Zikaden
Berg-Zikade (Cicadetta montana)


Bild 1 Apollofalter
Bild 2 Berghexe
Bild 3 Blauflügelige Ödlandschrecke
Bild 4 Braunauge
Bild 5 Esparsetten-Widderchen
Bild 6 Gottesanbeterin
Bild 7 Quendel-Ameisenbläuling
Bild 8 RoterScheckenfalter
Bild 9 Rotflügelige Ödlandschrecke
Bild 10 Schlingnatter
Bild 11 Segelfalter
Bild 12 Silbergrüner Bläuling
Bild 13 Skabiosen-Scheckenfalter
Bild 14 Steppenheide-Würfel-Dickkopffalter
Bild 15 Westliche Smaragdeidechse
Verbreitung:

Vor allem die Hänge der Durchbruchstäler von Ahr, Mosel, Nahe, Lahn und Mittelrhein sowie felsige Hanglagen in der Westeifel, im Westrich und im Saar-Nahe-Bergland weisen zum Teil großflächige Bestände der Kalkmagerrasen auf.

Verbreitungsschwerpunkte der Glanzlieschgras-Silikattrockenrasen sind vor allem das Saar-Nahe-Bergland sowie die Täler von Mittelrhein, Nahe und Mosel. Besonders typisch für das Viscario-Festucetum ist der Flügelginster (Chamaespartium sagittale). Pechnelken-Wiesenhaferrasen finden sich hauptsächlich auf Ranker-Braunerdeböden über vulkanischen Aschen in der Eifel.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5408-302 - Ahrtal
5509-302 - Vulkankuppen am Brohlbachtal
5510-302 - Rheinhänge zwischen Unkel und Neuwied
5605-306 - Obere Kyll und Kalkmulden der Nordeifel
5610-301 - Nettetal
5613-301 - Lahnhänge
5706-303 - Gerolsteiner Kalkeifel
5711-301 - Rheinhänge zwischen Lahnstein und Kaub
5804-301 - Schönecker Schweiz
5809-301 - Moselhänge und Nebentäler der unteren Mosel
5912-304 - Gebiet bei Bacharach-Steeg
5914-303 - Rheinniederung Mainz-Bingen
6003-301 - Ourtal
6004-301 - Ferschweiler Plateau
6012-301 - Binger Wald
6014-302 - Kalkflugsandgebiet Mainz-Ingelheim
6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried
6015-302 - Ober-Olmer Wald
6105-301 - Untere Kyll und Täler bei Kordel
6113-301 - Untere Nahe
6116-305 - Rheinniederung zwischen Gimbsheim und Oppenheim
6205-301 - Sauertal und Seitentäler
6205-302 - Obere Mosel bei Oberbillig
6212-303 - Nahetal zwischen Simmertal und Bad Kreuznach
6216-302 - Eich-Gimbsheimer Altrhein

Es werden 25 Gebiete von 44 angezeigt
Steckbrief mit allen Gebieten anzeigen ->


Links:

www.schmitzens-botanikseite.de/gentkoe2.htm
www.jahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb1984/hjb1984.19.htm
www.ffh-anhang4.bfn.de/ffh_anhang4-reptilien.html?&no_cache=1
www.ffh-anhang4.bfn.de/ffh_anhang4-schmetterlinge.html?&no_cache=1


Literatur:

Beinlich, B. (2002): Kalktrockenrasen, Kalkhalbtrockenrasen und nah verwandte Grünlandgesellschaften. Veröffentlichungen des Naturkundlichen Vereins Egge-Weser 15: 27-37.

Gutowski, D.; Hünerfauth, K. (2001): Beitrag von Biotoppflege und Vertragsnaturschutz zur Erhaltung von Kalkmagerrasen und Ackerwildkrautgesellschaften im geplanten Naturschutzgebiet "Grünstadter Berg". Pollichia-Kurier 17(3): 21-24.

Korneck, D. (1974): Xerothermvegetation in Rheinland-Pfalz und Nachbargebieten. Schriftenreihe für Vegetationskunde 7. 196 pp. Anhang.

Mauss, V.; Schindler, M. (2002): Hummeln (Hymenoptera, Apidae, Bombus) auf Magerrasen (Mesobromion) der Kalkeifel: Diversität, Schutzwürdigkeit und Hinweise zur Biotoppflege. Natur und Landschaft 77(12): 485-492.

Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (1996): Besonders geschützte Biotoptypen. Naturschutz bei uns. 47 pp.

Niehuis, M. (1991): Ergebnisse aus drei Artenschutzprojekten "Heuschrecken" (Orthoptera: Saltatoria). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 6(2): 335-551.
 
Oberdorfer, E. (1978): Süddeutsche Pflanzengesellschaften II. Gustav Fischer Verlag. 355 pp.

Pott, R. (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. 2. Aufl. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. 622 pp.

Ruthsatz, B. (2012): Flora ausgewählter Kalktrockenrasen im Westen von Rheinland-Pfalz - aktuelle Artenzusammensetzung und Bedeutung für die Artenvielfalt der Region. Mitteilungen der Pollichia 96: 33-54.

Schwaar, J. (1996): Kalktrockenrasen - bedrohte Pflanzengesellschaften. Beispiele aus der Eifel und Thüringen. Artenschutzreport 6: 19-22.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz. Oppenheim. 136 pp.

Weitz, W.; Manz, E. (1991): Das Obere Nahebergland. Rheinische Landschaften 38. 32 pp.


Copyright LfU - Stand: 25.06.2013
* = Prioritärer Lebensraumtyp