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Feuchte Heiden


Feuchte Heiden des nordatlantischen Raumes mit Erica tetralix

Moorheide

Beschreibung:

In den feuchten Heiden dominiert die Glockenheide (Erica tetralix), die zusammen mit Gräsern und Zwergsträuchern niedrigwüchsige Pflanzengesellschaften bildet. Voraussetzung für das Vorkommen dieses Lebensraumtyps sind atlantische Klimabedingungen und sandige Anmoorstandorte. Diese sind stark grundwasserbeeinflusst und können zeitweilig oberflächlich austrocknen. Viele der dort wachsenden kennzeichnenden Pflanzenarten sind konkurrenzschwach. Sie gedeihen ausschließlich auf nährstoffarmen, lückig bewachsenen, aber feuchten Böden.


Bedeutung:

Feuchte Heidegebiete mit Glockenheide sind von besonderer landschaftlicher Schönheit. Die Rasenbinsen-Moorheiden gehören zum typischen Landschaftsbild der höheren Lagen der Eifel. Besonders beeindruckende Landschaftsbilder bieten die feuchten Heidegebiete in Rheinland-Pfalz zur Blütezeit von Beinbrech, auch Moorlilie genannt, oder Lungen-Enzian. Zur Lebensgemeinschaft gehören zahlreiche spezialisierte und stark gefährdete Arten.


Vegetation:

Ericetum tetralicis (Glockenheide-Anmoor) 
Sphagno compacti-Trichophoretum germanici (Rasenbinsen-Moorheide)


Typische Pflanzenarten:

Moor-Glockenheide (Erica tetralix )
Beinbrech (Narthecium ossifragum) 
Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe) 
Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) 
Deutsche Rasenbinse (Trichophorum germanicum)
Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum)
Dichtes Torfmoos (Sphagnum compactum)
Trügerisches Torfmoos (Sphagnum fallax)
Moorbärlapp (Lycopodiella inundata)
Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxycoccos)
Gewöhnliche Rauschbeere (Vaccinium uliginosum)


Bild 1 Gewöhnliche Moosbeere
Bild 2 Lungen-Enzian
Bild 3 Moor-Glockenheide
Bild 4 Rundblättriger Sonnentau
Bild 5 Scheidiges Wollgras
Typische Tierarten:

Amphibien
Moorfrosch (Rana arvalis)

Reptilien
Waldeidechse (Zootoca vivipara)

Schmetterlinge

Lungenenzian-Ameisenbläuling (Maculinea alcon)

Libellen
Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica)

Hautflügler
Veränderliche Hummel (Bombus humilis)
Blattschneiderbiene Megachile analis


Bild 1 Moorfrosch
Bild 2 Waldeidechse
Verbreitung:

Vegetationskundlich klar abgrenzbare Ausprägungen des Lebensraumtyps konzentrieren sich auf den Norden von Rheinland-Pfalz. Im Leuscheid (Landkreise Altenkirchen und Neuwied) kommt die Glockenheide und in der Schneifel (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zudem, teilweise auf größeren Flächen, die Rasenbinsenheide vor, deren Bestände auf den Norden von Rheinland-Pfalz beschränkt bleiben.

Kennzeichnende Tier- und Pflanzenarten der feuchten Heiden sind jedoch auch in anderen Naturräumen anzutreffen wie beispielsweise die Arktische Smaragdlibelle in der Eifel oder der Lungen-Enzian, der auch in der Westpfälzer Moorniederung heute noch in kleineren Beständen gefunden werden kann.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5211-301 - Leuscheider Heide
5310-303 - Heiden und Wiesen bei Buchholz
5704-301 - Schneifel
5705-301 - Duppacher Rücken
5805-301 - Moore bei Weißenseifen


Links:

www.schmitzens-botanikseite.de/archiv.htm
www.ffh-anhang4.bfn.de/ffh-anhang4-moorfrosch.html


Literatur:

Engel, D. (1983): Das "Buchholzer Moor" - ein zukünftiges Naturschutzgebiet. Heimatkalender für den Landkreis Neuwied 1983: 120-123.

Liepelt, S.; Suck, R. (1994): Arten der Hoch- und Zwischenmoore und Moorheiden in Rheinland-Pfalz - ein Artenschutzprojekt. Pollichia-Buch 30. 266 pp., Anhang.

Müschel, C.; Dierichs, M. (2000): Zum Vorkommen von bemerkenswerten sowie seltenen und gefährdeten Pflanzenarten im Kreis Neuwied (Rheinland-Pfalz). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 9(2): 425-446.

Paffen, K. (1940): Heidevegetation und Ödlandwirtschaft in der Eifel. Beiträge zur Landeskunde der Rheinlande. 3. Reihe, Heft 3. 272 pp.

Pott, R. (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. 2. Aufl. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. 622 pp.

Schwickerath, M. (1939): Eifelfahrt 1937. Ergebnisse der im Auftrage der Reichsstelle für Naturschutz geleiteten pflanzensoziologischen Studienfahrt durch die Eifel vom 25. bis 31. Juli 1937. Beiheft zum Botanischen Centralblatt 60 B: 52-286.

Schwickerath, M. (1975): Hohes Venn, Zitterwald, Schneifel und Hunsrück. Ein florengeographischer, vegetationskundlicher, bodenkundlicher und kartographischer Vergleich. Beiträge Landespflege Rheinland-Pfalz 3: 9-100.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz. Oppenheim. 136 pp.


Copyright LfU - Stand: 12.06.2013