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Schlammige Flussufer


Beschreibung:

Dieser Lebensraumtyp umfasst die einjährige, stickstoffliebende Pioniervegetation aus Gänsefuß- und Zweizahngesellschaften auf schlammigen Uferstreifen und Schlammbänken meist größerer Flüsse mit naturnaher Fließgewässerdynamik, also ohne Stauhaltung und Uferverbau. Die Flussufer sind im Frühjahr und Frühsommer noch überflutet und ermöglichen erst bei fallendem Wasserstand, also meist im Spätsommer, die Entwicklung der charakteristischen kurzlebigen Pflanzenarten.


Bedeutung:

Schlammige Ufer sind ein charakteristischer Bestandteil natürlicher, nicht geregelter Flusslandschaften und unterliegen ständigen Veränderungen. Spezielle Tier- und Pflanzenarten haben sich an diese Bedingungen angepasst und sind auf sie angewiesen. Die hier lebenden Arten verfügen über effiziente Besiedlungsstrategien für diese unregelmäßig und meist nicht voraussehbar entstehenden Lebensräume. Auch sind sie in der Lage, länger anhaltende Überflutungen oder Trockenperioden zu überdauern.


Vegetation:

Bidenti-Polygonetum hydropiperis ((Wasserpfeffer-Zweizahn-Gesellschaft)
Ranunculetum scelerati (Gifthahnenfuß-Gesellschaft) 
Bidenti-Brassicetum nigrae (Schwarzsenf-Gesellschaft) 
Rumicetum maritimi (Strandampfer-Gesellschaft) 
Alopecuretum aequalis (Rotfuchsschwanz-Flutrasen) 
Rumicetum palustris (Sumpfampfer-Gesellschaft) 
Chenopodio-Polygonetum brittingeri (Flussknöterich-Gesellschaft)
Chenopodietum rubri (Gesellschaft des roten Gänsefußes)


Typische Pflanzenarten:

Roter Gänsefuß (Chenopodium rubrum)
Graugrüner Gänsefuß (Chenopodium glaucum)
Dreiteiliger Zweizahn (Bidens tripartita) 
Schwarzfrüchtiger Zweizahn (Bidens frondosa)
Nickender Zweizahn (Bidens cernua)
Strahlen-Zweizahn (Bidens radiata)
Wasserpfeffer (Persicaria hydropiper)
Schwarzer Senf (Brassica nigra)
Uferknöterich (Persicaria lapathifolia ssp.brittingeri)
Gifthahnenfuß (Ranunculus sceleratus) 
Sumpfampfer (Rumex palustris)
Ufer-Ampfer (Rumex maritimus)
Großer Wasserfenchel (Oenanthe aquatica)
Hirschsprung (Corrigiola litoralis)
Spießmelde (Atriplex prostrata)
Rotgelber Fuchsschwanz (Alopecurus aequalis)
Fuchsschwanz-Arten (Amaranthus spp.)
Gauchheil-Ehrenpreis (Veronica anagallis-aquatica)


Bild 1 Zweizahn
Typische Tierarten:

Vögel
Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)

Heuschrecken
Säbeldornschrecke (Tetrix subulata)
Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa)

Käfer
Charakteristisch sind vor allem Laufkäfer, z.B. Uferläufer Elaphrus spp.


Bild 1 Flussuferläufer
Verbreitung:

Die wenigen Vorkommen der typischen Vegetation schlammiger Flussufer finden sich an Mosel, Mittelrhein und Oberrhein sowie im Saar-Nahe-Bergland, Ahrtal und im Westerwald. Die artenreichsten Vorkommen liegen im Rheintal. Die Schlammumlagerungen in den großen Flüssen werden durch Stauhaltungen und Uferverbau unterbunden, wodurch konkurrenzstärkere Neophyten wie zum Beispiel Topinambur und Indisches Springkraut optimale Entwicklungsbedingungen auf den Schlammbänken vorfinden.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5212-302 - Sieg
5408-302 - Ahrtal
5409-301 - Mündungsgebiet der Ahr
5510-301 - Mittelrhein
5511-301 - NSG Urmitzer Werth
5613-301 - Lahnhänge
5908-301 - Mosel
5914-303 - Rheinniederung Mainz-Bingen
6003-301 - Ourtal
6016-302 - NSG Kisselwörth und Sändchen
6116-304 - Oberrhein von Worms bis Mainz
6212-303 - Nahetal zwischen Simmertal und Bad Kreuznach
6405-303 - Serriger Bachtal und Leuk und Saar
6416-301 - Rheinniederung Ludwigshafen-Worms
6616-304 - Rheinniederung Speyer-Ludwigshafen
6716-301 - Rheinniederung Germersheim-Speyer
6816-301 - Hördter Rheinaue
6915-301 - Rheinniederung Neuburg-Wörth


Links:

www.schmitzens-botanikseite.de/archiv.htm
www.floraweb.de/vegetation/gesellschaften.html


Literatur:

Detzel, P. (1998): Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Ulmer. Stuttgart. 580 pp.
 
Gerken, B. (1988): Auen. Verborgene Lebensadern der Natur. Freiburg. 131 pp.

Hannig, K. (2007): Die Laufkäferzönosen (Col, Carabidae) ausgewählter dynamischer Flussuferabschnitte an der Sieg und der Agger (Nordrhein-Westfalen, Rhein-Sieg-Kreis). Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Rheinischer Koleopterologen 17 (1-2): 29-47.

Koch, K. (1985): Zur Untersuchung der Käferfauna des Naturschutzgebietes "Ahrschleife bei Altenahr". Naturschutz in Rheinland-Pfalz 1(2): 28-29.

Oberdorfer, E. (1983): Süddeutsche Pflanzengesellschaften III. Gustav Fischer Verlag. 455 pp.

Pott, R. (1995): Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. 2. Aufl. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. 622 pp.

Roulier, C.; Schmid, H.; Keller, V.; Lussi, S. (2005): Auen und Flussuferläufer. Auendossier (Faktenblatt Auen Nr. 7). Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Schweiz (Hrsg.). 12 pp.

Siepe, A. (1994): Das „Flutverhalten“ von Laufkäfern (Coleoptera: Carabidae), ein Komplex von öko-ethologischen Anpassungen an das Leben in der periodisch überfluteten Aue. Zoologische Jahrbücher. Abteilung für Systematik, Ökologie und Geographie der Tiere 121(4): 515-566.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz. Oppenheim. 136 pp.


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