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Dystrophe Stillgewässer


Beschreibung:

Dystrophe Stillgewässer sind nährstoffarme Seen und Teiche, die im Bereich von Mooren (z. B. Moorseen, Moorkolke, Randlaggs) oder auf nährstoffarmen Sandböden entstehen. Sie sind durch Huminsäuren bräunlich gefärbt und von niedrigem pH-Wert. Die Huminsäuren stammen meist aus darunter liegenden Torfsubstraten oder umgebenden Mooren.


Bedeutung:

Die nährstoffarmen dystrophen Gewässer sind Lebensraum seltener Arten, zum Beispiel von Moorlibellen. Da in der Vergangenheit viele Moore und Riede trockengelegt und abgetorft wurden, sind diese naturnahen Seen heute eine Seltenheit.


Vegetation:

Scorpidio-Utricularietum minoris (Gesellschaft des Kleinen Wasserschlauchs)
Sphagno-Utricularietum ochroleucae (Gesellschaft des Blassgelben Wasserschlauchs)
Sparganietum minimi (Gesellschaft des Kleinen Igelkolbens)
Caricetum limosae (Schlammseggenried)
Rhychosporetum albae (Gesellschaft des Weißen Schnabelrieds)
Sphagnum cuspidatum-Eriophorum angustifolium-Gesellschaft (Torfmoosgesellschaften mit dem Schmalblättrigen Wollgras)


Typische Pflanzenarten:

Kleiner Wasserschlauch (Utricularia minor)
Weißes Schnabelried (Rhynchospora alba)
Braunes Schnabelried (Rhynchospora fusca)
Zwerg-Igelkolben (Sparganium natans)
Faden-Segge (Carex lasiocarpa)
Vielstenglige Sumpfbinse (Eleocharis multicaulis)
Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium)
Moor-Bärlapp (Lycopodiella inundata)
Torfmoos-Arten (Sphagnum spp.)
weitere Laubmoose wie Drepanocladus fluitans, Scorpidium scorpioides


Bild 1 Schmalblättriges Wollgras
Bild 2 Weißes Schnabelried
Typische Tierarten:

Amphibien
Moorfrosch (Rana arvalis)

Libellen
Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum)
Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea)
Glänzende Binsenjungfer (Lestes dryas)
Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) ->

Köcherfliegen
Hagenella clathrata


Bild 1 Hagenella clathrata
Bild 2 Moorfrosch
Verbreitung:

Dystrophe Seen kommen in Rheinland-Pfalz nur sehr selten vor. Im Bereich einiger Wooge im Pfälzerwald und in der Pfälzer Moorniederung (NSG Neuwoog) sowie an einigen Maaren in der Eifel kann - selten - die charakteristische Vegetation gefunden werden. Einige der Pflanzengesellschaften kommen nur auf Torfschlammböden vor.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5704-301 - Schneifel
5807-302 - Eifelmaare
6511-301 - Westricher Moorniederung
6812-301 - Biosphärenreservat Pfälzerwald


Links:

www.ffh-anhang4.bfn.de/ffh-anhang4-moorfrosch.html


Literatur:

Oberdorfer, E. (1977): Süddeutsche Pflanzengesellschaften I. Gustav Fischer Verlag. 311 pp.

Ott, J. (2007): Hat die Klimaänderung eine Auswirkung auf das Netz Natura 2000? Erste Ergebnisse aus Untersuchungen an Libellenzönosen dystropher Gewässer im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Natura 2000 und Klimaänderungen: Tagungsband zur gleichnamigen Tagung vom 28.-31. August 2006 auf der Insel Vilm: 65-90.

Roweck, H.; Auer, M.; Betz, B. (1988): Flora und Vegetation dystropher Teiche im Pfälzerwald. Pollichia-Buch 15. 221 pp.

Ssymank, A.; Hauke, U.; Rückriem, Ch.; Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Schriftenreihe für Landschaftspflege 53. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.). 560 pp.

Wahl, P. (1994): Liste der Pflanzengesellschaften von Rheinland-Pfalz mit Zuordnung zu Biotoptypen und Angaben zum Schutzstatus nach § 24 LPflG. Materialien zur Landespflege. 4. ergänzte Fassung. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz. Oppenheim. 136 pp.


Copyright LfU - Stand: 11.06.2013