Steckbrief zum FFH-Gebiet

6715-302 -

Bellheimer Wald mit Queichtal

Karte

Bellheimer Wald mit Queichtal


Größe [ha]: 4.679

Landkreise und kreisfreie Städte:
Germersheim, Landau in der Pfalz, Südliche Weinstraße

Verbandsgemeinden und verbandsfreie Gemeinden:
Bellheim, Germersheim, Lingenfeld, Offenbach an der Queich


Gebietsbeschreibung:

Der Bellheimer Wald zwischen Landau und Germersheim ist ein großflächiges Waldgebiet auf dem Schwemmkegel der Queich. Dies ist einer der Schwemmfächer der oberen Rheinniederung, die für die Vernetzung von Rheinauenbiotopen mit dem Pfälzerwald von besonderer Bedeutung sind. Kennzeichen des Bellheimer Waldes sind die teils lichte Waldstruktur bis hin zum Halboffenland-Charakter und die enge, mosaikartige Verzahnung mit wechselfeuchten Grünland- und Fließgewässerbiotopen. Auch sind Bereiche vorhanden, die ruhig und weitgehend frei von Störungen sind. Ein breites Spektrum von Tierarten findet hier optimale Lebensbedingungen. Wegen der vielen Vogelarten, welche die EU im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie als besonders schützenswert anführt, ist das Gebiet auch als Vogelschutzgebiet Vogelschutzgebiet "Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen" gemeldet.

Vom Forst bewirtschaftete Wälder, die früher über lange Jahrzehnte hinweg multifunktional auch als Waldweide genutzt wurden, wachsen auf den Standorten von Buchen-Eichen- und Sternmieren-Stieleichen-Hainbuchen-Wäldern frischer bis sehr feuchter Ausbildung. Vor allem im feuchten westlichen Bereich sowie am Nordrand des Waldgebietes liegen altholzreiche Flächen. Im zentralen und östlichen Teil des Bellheimer Waldes wird die Baumartenzusammensetzung dagegen stark von der Kiefer dominiert. Hier sind naturnahe und altholzreiche Bestände vor allem an den Fließgewässern ausgebildet.

Die vergleichsweise hohe Dichte des Mittelspechtes, aber auch die Vorkommen von Grau- und Grünspecht und Wendehals, sind eine Folge der früheren Nutzung als Mittelwald. Die altholzreichen Bereiche sind Lebensräume von Schwarzspecht und Wespenbussard. Vorkommen der Waldschnepfe deuten auf Waldbereiche beziehungsweise Waldlichtungen mit höherer Bodenfeuchtigkeit hin. Im Mai gehören die Balzflüge der Waldschnepfe in der Dämmerung zu den eher unerwarteten Erlebnissen eines Waldspaziergangs, würde man eine Schnepfe doch eher in sumpfigen Wiesen erwarten.

Vorkommen von Bechstein-, Fransen- und Rauhhautfledermaus sowie Großem Mausohr unterstreichen die Bedeutung des Bellheimer Waldes. Vor allem die Randbereiche, aber auch innere Grenzlinien im Wald wie Waldlichtungen oder die Bachtäler, sind wichtige Strukturen im Lebensraum von Fledermäusen und von Vogelarten wie Wendehals, Grauspecht, Neuntöter und Ziegenmelker.

Besonders kennzeichnend für den mit feuchten Wiesen und Weiden eng verzahnten Bereich nördlich von Ottersheim sind verschiedene seltene und teilweise stark gefährdete Tagfalterarten wie Großer und Kleiner Eisvogel (Limenitis populi und Limenitis camilla) oder Großer und Kleiner Schillerfalter (Apatura iris und Apatura ilia), die zu den eindrucksvollsten und schönsten mitteleuropäischen Tagfalterarten zählen.

Hervorzuheben ist die große avifaunistische Bedeutung der ausgedehnten Wiesengebiete an der Queich nördlich von Offenbach und Ottersheim. Bis vor wenige Jahrzehnte brütete hier der Große Brachvogel. Infolge der Bemühungen zur Wiedereinbürgerung des Weißstorches in Rheinland-Pfalz zählt dieser eindrucksvolle Vogel heute wieder zu den Brutvögeln.

Rieselwiesen prägten jahrhundertelang den Charakter der größeren Talauen. Diese Form der Wiesenbewirtschaftung wurde bei Zeiskam noch bis in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts praktiziert. Die meisten dieser Wiesen wurden zwischenzeitlich in Äcker umgewandelt. In einem Projekt zur Umsetzung der europäischen Naturschutzrichtlinien verfolgte der Deutsche Verband für Landschaftspflege e.V. gemeinsam mit weiteren Akteuren als eines der Ziele die Wiedereinführung der Wiesenbewässerung im Gebiet (s. Links).

Nass- und Feuchtwiesen wurden in der Vergangenheit gedüngt und drainiert, sodass artenarme Fettwiesen der häufigste Grünlandtyp sind. Feucht- und Nasswiesen, die häufig mosaikartig mit mageren Wiesen und intensiv genutzten Wiesen mittlerer Standorte verzahnt sind, begleiten die Bachauen von Queich, Sollach und Druslach. Bekassine, Kiebitz, Wiesenpieper, Blaukehlchen und Wasserralle sowie Braun- und Schwarzkehlchen und Wachtelkönig gehören zu den regelmäßigen Brutvögeln.

Die Fließgewässer werden von Libellen wie Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale), Grüner Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia), der Gemeinen Flussjungfer (Gomphus vulgatissimus) oder dem Spitzenfleck (Libellula fulva) bewohnt. Diese Arten bevorzugen die gehölzarmen Niederungsbäche als Lebensraum. Die Bedeutung des Fließgewässersystems im Gebiet wird auch durch das Vorkommen des in Rheinland-Pfalz sehr seltenen Schlammpeitzgers belegt.

Am Ostrand des Gebietes kommen Binnendünen vor. Die Standorte sind kalkarm oder sogar kalklos. Es handelt sich um Flugsande aus glazialen und fluvioglazialen Ablagerungen in den großen Stromtälern. Zwergsträucher stellen sich ein, wenn die Böden nährstoffarm, aber nicht extrem trocken sind und kein Sand mehr verweht wird. Die Germersheimer Düne ("Schindereck") ist etwa 15 Hektar groß. Hier hat sich ein Komplex aus Sand- und Halbtrockenrasen entwickelt mit einigen seltenen Pflanzenarten, wie dem Fünfmännigen Spörgel (Spergula pentandra). Die ausgedehnten Silbergrasrasen sind Lebensraum der Steppenbiene (Nomioides minutissimus), die erst vor wenigen Jahren nach über 140jähriger Abwesenheit in Rheinland-Pfalz wieder entdeckt wurde. Die in Mitteleuropa immer seltener werdende Heidelerche nutzt die Binnendüne als Lebensraum. Das melancholische Lied der Heidelerche in lauen Frühsommer-Nächten zählt zu den eindrucksvollsten Hörerlebnissen in der Natur West- und Mitteleuropas. 15 Heuschreckenarten, darunter bedrohte Arten wie Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata), Grüne Strandschrecke (Aiolopus thalassinus), Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) und Rotleibiger Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis) wurden auf der Germersheimer Binnendüne nachgewiesen. Eine weitere für den Biotoptyp charakteristische Art ist der in Mitteleuropa sehr seltene Johanniskraut-Schmalprachtkäfer (Agrilus hyperici).


Lebensraumtypen (Anhang I):

    2310 - Trockene Sandheiden mit Calluna und Genista
    2330 - Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis
    3150 - Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions
    3260 - Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion
    4030 - Trockene europäische Heiden
  * 6210 - Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia), (* besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)
    6410 - Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae)
    6430 - Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe
    6510 - Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)
    9130 - Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)
    9160 - Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Eichen-Hainbuchenwald (Carpinion betuli)
  * 91E0 - Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno padion, Alnion incanae, Salicion albae)

* = Prioritärer Lebensraumtyp


Arten (Anhang II):

Säugetiere
    Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
    Großes Mausohr (Myotis myotis)

Amphibien
    Kamm-Molch (Triturus cristatus)

Fische und Rundmäuler
    Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis)

Käfer
    Hirschkäfer (Lucanus cervus)

Libellen
    Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia)
    Helm-Azurjungfer (Coenagrion mercuriale)

Schmetterlinge
    Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)
    Großer Feuerfalter (Lycaena dispar)
    Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius)
Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria)

* = Prioritäre Art


Links:

Datenblatt   -   Legende zum Datenblatt
\"\" NSG-ALBUM

Vogelschutzgebiet 6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
www.dbu.de/ab/DBU-Abschlussbericht-AZ-18383_02.pdf
www.natura2000-dvl.de


Literatur:

Bosselmann, J. (1991): Nachtrag zum Jahresbericht 1990 - faunistische Beobachtungen. Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz. Jahresbericht 1991, Heft 2: 142-145.

Bosselmann, J. (2001): Jahresbericht Käfer - Coleoptera. Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz 11: 199-200.

Briem, E. et al. (2008): Haardt, Weinstraße und Queichtal: ein Geo-Führer. Pollichia- Sonderveröffentlichung 13. 192 pp.

Dorner, I.; Feld, W. (1999): Pfälzer Storchenbilanz 1999 in schwarzen Zahlen. Pollichia-Kurier 15(3): 17.

Fangrath, M.; Hilsendegen, P. (2005): Die Bedeutung des Queichtals als Rast- und Übernachtungsgebiet für den Weißstorch (Ciconia ciconia L.): Schlafplätze und Herkunft der Vögel. Mitt. Pollichia 91: 171-178.

Fangrath, M.; Hilsendegen, P. (2005): Bewässerungsmanagement für den Weißstorch (Ciconia ciconia L.) in der Queichniederung bei Landau in der Pfalz. Mitteilungen der Pollichia 91: 179-192.

Fangrath, M. (2005): Feldheuschrecken - ökologische Schlüsselarten der Wässerwiesen an der Queich. Pollichia-Kurier 21(1): 20-21. 

Fangrath, M. (2008): Stromschlag und Kollision als Todesursachen des Weißstorchs im Queichtal. Ökologie der Vögel 26: 129-139.

Hesselschwerdt, B. (2010): Die Germersheimer Düne. Teil A: Vegetationsökologische Kurzcharakteristik der Silbergrasflur bei Germersheim. Pollichia-Kurier 26(1): 42-45.

Hesselschwerdt, B. (2010): Die Germersheimer Düne. Teil B: Die Silbergrasflur bei Germersheim - ein Sanierungsfall. Pollichia-Kurier 26(2): 29-32.

Himmler, H. (2000): Hartmanns Segge (Carex hartmanii) auch in den Queichwiesen. Mitt. Pollichia 16(3): 14.

Keller, P. (2007): Modellprojekt im Bellheimer Wald und Queichtal. Gebietsmanagement im Natura 2000-Gebiet. GNOR Info 104: 31-34.

Keller, P. (2007): Modellprojekt zum Schutzgebietsmanagement im Natura 2000-Gebiet "Bellheimer Wald und Queichtal". Pollichia-Kurier 23(4): 49-51.

Keller, P. (2011): Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen. Natura 2000 in Rheinland-Pfalz. Der Falke 58(11): 462-464.
 
Kitt, M. (1995): Zur Verbreitung von Fließgewässerlibellen (Insecta: Odonata) im südpfälzischen Raum. Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 7: 897-918.

Kitt, M. (2001): Wiederfund der Steppenbiene Nomioides minutissimus (Rossi, 1790) bei Germersheim. Pollichia-Kurier 17(1): 23-24.

LfUG; ALAND (1997): Planung vernetzter Biotopsysteme. Bereich Landkreis Germersheim. Ministerium für Umwelt Rheinland-Pfalz, Mainz und Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, Oppenheim (Hrsg.). 234 pp., Anhänge, Karten.

LfUG; ALAND (1997): Planung Vernetzter Biotopsysteme. Bereich Landkreis Südliche Weinstraße. Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Mainz und Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, Oppenheim (Hrsg.). 282 pp., Anhänge, Karten.

Lingenfelder, U. (2004): Zur Verbreitung der Grünen Flussjungfer - Ophiogomphus cecilia (FOURCROY, 1785) - in der Pfalz (Odonata: Gomphidae). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 10(2): 527-552.

Loritz, H.; Settele, J. (2002): Der Große Feuerfalter (Lycaena dispar, HAWORTH 1803) im Queichtal bei Landau in der Pfalz: Wirtspflanzenwahl und Eiablagemuster. Mitt. Pollichia 89: 309-321.

Ministerium für Umwelt und Forsten (Hrsg.) (2000): Fische und Fischerei in Rheinland-Pfalz. Bestandsaufnahme, fischereiliche Nutzung, Fischartenschutz. Ministerium für Umwelt und Forsten, Mainz. 258 pp. ISBN 3-00-003995-3

Simon, L. (1988): Faunistik und Gefährdung ausgewählter Geradflügler (Orthoptera) im südlichen Rheinland-Pfalz. Mainzer Naturw. Archiv 26: 23-73.

Weiß, K., Schwab, H.-J. (1992): Libellen-Bestandaufnahme in der Verbandsgemeinde Bellheim, Landskreis Germersheim. Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz. Jahresbericht 1992, Heft 3: 88-89.


Copyright LfU - Stand: 21.09.2017