Steckbrief zum FFH-Gebiet

6015-301 -

NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried

Karte

NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried


Größe [ha]: 72

Landkreise und kreisfreie Städte:
Mainz, Mainz-Bingen

Verbandsgemeinden und verbandsfreie Gemeinden:
Bodenheim


Gebietsbeschreibung:

Das Laubenheimer-Bodenheimer Ried liegt in der Bodenheimer Aue im Oberrheinischen Tiefland bei Mainz. In ehemaligen Tongruben, verlandeten Flutrinnen des Rheins und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen hat sich ein vielfältiges Mosaik auenspezifischer Lebensräume entwickelt.

In den ausgedehnten Röhrichten der Verlandungsbereiche der Tongruben leben Wasser- und Röhrichtvögel, darunter Arten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie wie beispielsweise Zwergdommel oder verschiedene Rohrsängerarten. Die Wasserralle lässt ihre unheimlichen Rufe hören, und das sehr seltene Tüpfelsumpfhuhn nutzt das Röhricht regelmäßig zur Rast. Auch Blaukehlchen und Rohrweihe sind hier anzutreffen.

Von besonderer Bedeutung ist die floristische Ausstattung des Gebietes. Mehr als 630 Gefäßpflanzenarten wurden festgestellt. In den Flutrinnen befinden sich sehr artenreiche Stromtalwiesen mit zahlreichen floristischen Besonderheiten wie Brenndolde (Cnidium dubium), Kantiger Lauch (Allium angulosum), Spießblättriges Helmkraut (Scutellaria hastifolia), Färber-Scharte (Serratula tinctoria) und Sumpf-Wolfsmilch (Euphorbia palustris). Die Vorkommen der bundesweit seltenen Brenndolden- und Pfeifengraswiesen sind aufgrund ihrer lehrbuchhaften Ausbildung von hoher Bedeutung. Sie erreichen hier die Westgrenze ihrer Verbreitung. Arten wie Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe), Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) und Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris) sind in den heute nur noch in kleinflächigen Resten vorhandenen Pfeifengraswiesen jedoch verschollen. Das Auftreten zahlreicher Halophyten (Salzpflanzen), vor allem entlang von Wegrändern, ist einmalig in Rheinland-Pfalz. Nicht versäumen sollte man, das Gnadenkraut (Gratiola officinalis) oder den Echten Eibisch (Althaea officinalis) blühend zu erleben.

Auf den Hochwasserdämmen wachsen Stromtal-Halbtrockenrasen mit Massenvorkommen der blaublühenden Sumpfwiesen-Schwertlilie (Iris spuria), die bundesweit nur in Rheinhessen zu finden ist und hier ihr bedeutendstes Vorkommen hat.


Lebensraumtypen (Anhang I):

  * 1340 - Salzwiesen im Binnenland
    3150 - Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions
  * 6210 - Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia), (* besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)
    6410 - Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae)
    6430 - Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe
    6440 - Brenndolden-Auenwiesen (Cnidion dubii)

* = Prioritärer Lebensraumtyp


Arten (Anhang II):

Amphibien
    Kamm-Molch (Triturus cristatus)


Bewirtschaftungsplanung:
BWP_2012_13_S   -   Karte


Links:

Datenblatt   -   Legende zum Datenblatt
\"\" NSG-ALBUM

Vogelschutzgebiet 6015-301 - NSG Laubenheimer-Bodenheimer Ried


Literatur:

Bitz, A.; Dechent, H.-J. (1994): Die Bodenheimer Aue zwischen Mainz-Laubenheim und Nackenheim (Rheinland-Pfalz). Geschichte, Pflanzen- und Tierwelt einer gefährdeten Landschaft. Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 14. 256 pp.

Kremer, R.; Renker, C. (2014): Einblicke in die Molluskenfauna des NSG "Laubenheimer-Bodenheimer Ried" bei Mainz (Mollusca: Gastropoda & Bivalvia). Mainzer naturwissenschaftliches Archiv 51: 237-258.

Liepelt, S.; R. Suck (1987): Artenschutzprojekt Stromtalwiesen in Rheinland-Pfalz. Im Auftrag des Landesamts für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Oppenheim. 212 pp. 

Liepelt, S.; Suck, R. (1989): Die Stromtalwiesen und ihre charakteristischen Arten in Rheinland-Pfalz - ein Schutz- und Pflegekonzept. Beiträge Landespflege Rheinland-Pfalz 12: 77-175.

Oesau, A. (2014): Moose des Naturschutzgebietes "Laubenheimer-Bodenheimer Ried" bei Mainz (Rheinland-Pfalz). Mainzer naturwissenschaftliches Archiv 51: 221-230.

Simon, L. (1988): Chirocephalus daphanus Prevost - aktueller Wiederfund für Deutschland (Brachiopoda: Anostraca). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 5(1): 32-35.


Copyright LfU - Stand: 21.09.2017