Steckbrief zum FFH-Gebiet

5613-301 -

Lahnhänge

Karte

Lahnhänge
Lahntal bei Cramberg

Größe [ha]: 4.776

Landkreise und kreisfreie Städte:
Koblenz, Rhein-Lahn-Kreis, Vulkaneifel, Westerwaldkreis

Verbandsgemeinden und verbandsfreie Gemeinden:
Bad Ems, Diez, Katzenelnbogen, Koblenz, Lahnstein, Montabaur, Nassau, Nastätten


Gebietsbeschreibung:

Das Lahntal gehört zu den Durchbruchstälern durch das Rheinische Schiefergebirge und trennt den Taunus vom nördlich angrenzenden Westerwald. Es senkt sich mit vielen Mäanderschlingen, Gleit- und Prallhängen teilweise 150 bis über 200 Meter tief ins Schiefergebirge ein. Die Oberkante der felsigen Talhänge knickt scharf zu den beiderseitigen Hochflächen ab. Vor allem im Mittelteil des Talabschnitts sind die Hänge durch Seitentäler tief zerklüftet. Das V-förmige Tal ist flussaufwärts nur 80 bis 100 m breit, später, vor allem bei Nassau und Bad Ems, jedoch merklich breiter. Wegen seiner Enge wurden außer Nassau und Bad Ems nur wenige kleinere Siedlungen im Tal gegründet.

Das Gebiet „Lahnhänge" reicht vom Limburger Becken bis Lahnstein und schließt einige der Seitentäler, so die von Mühl- und Dörsbach, Dau- und Gelbach und einige angrenzende Waldbereiche mit ein.

Die Talhänge der Lahn und ihrer Seitengewässer sind fast durchgehend bewaldet. Die milden, vergleichsweise trockenen klimatischen Verhältnisse und die große Vielfalt der anstehenden Gesteinsarten haben die Entwicklung einer vielfältigen Vegetation ermöglicht.

Unter den unterschiedlichen Buchen- und Eichenmischwäldern sind am häufigsten die Hainsimsen-Buchenwälder und Eichen-Hainbuchenwälder vertreten. In Hanglage sind Schluchtwälder verbreitet und Trockenwälder mit dem Französischen Ahorn (Acer monspessulanum). Die steilen Talhänge sind reich an Farnen und Moosen. Dazu gehört in den Schlucht- und Hangmischwäldern die Hirschzunge (Asplenium scolopendrium) und der Prächtige Dünnfarn (Trichomanes speciosum).

Die Eichen-Hainbuchenwälder entwickeln sich heute auf den ehemaligen Niederwaldflächen. Seit dem Mittelalter wurden die Lahnhänge zur Brennholz- und Holzkohlegewinnung für die Erzverhüttung oder für die Herstellung von Weinbergspfählen als Niederwälder genutzt. Die Waldnutzung war so stark, dass bereits im 14. Jahrhundert Eisenhämmer wegen Brennstoffmangel stillgelegt werden mussten. Im 19. Jahrhundert erfolgte eine Wiederaufforstung.

Auf Niederwälder angewiesen ist das Haselhuhn, eine Art des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie. Die Überalterung der Niederwälder ist Ursache für dessen Rückgang. Die großflächigen Laubwaldgebiete beherbergen außerdem weitere seltene und gefährdete Tierarten wie Mittel-, Grau- und Schwarzspecht sowie Fledermäuse. Letztere nutzen geeignete Bäume als Wochenstuben und jagen entlang der Gewässer. Mit den Höhlen und Stollen aus den Zeiten des Blei-, Zink- und Silberabbaus entlang der Lahn sind wichtige Überwinterungsquartiere vorhanden.

Von außerordentlicher Bedeutung für wärme- und trockenheitsliebende Tier- und Pflanzenarten ist das vielfältige Mosaik von Trockenbiotopen (Xerothermbiotopen) an den Hängen mit Trockenwäldern, trocken-warmen Felsen, Trockenrasen und -gebüschen, mit Gesteinshalden, Felsspalten- und Steinschuttvegetation. Nur in den Tälern von Lahn, Mittelrhein, Mosel, Nahe und Ahr sind in Rheinland Pfalz solche standörtlichen Gegebenheiten vorhanden. Diese Trockenbiotope sind Lebensraum hochspezialisierter Tierarten beispielsweise aus den Gruppen der Tagfalter, Heuschrecken und Prachtkäfer. Aber auch die Schlingnatter, die Mauereidechse, das Weinhähnchen (Oecanthus pelluscens) und der Uhu finden hier geeignete Lebensbedingungen vor.

An günstig zu Sonne exponierten Hängen der Lahn wurde bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts Weinbau betrieben. Durch die auf die Nutzungsaufgabe folgende starke Verbuschung verschwanden die Lebensräume charakteristischer Arten der Trockenbiotope, die auf ausgedehnte vegetationsarme oder -freie Bereiche angewiesen sind wie die Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica) oder die Zippammer.

Der Gabelstein ist wegen seiner bunten Felsflora bekannt. Im Frühling heben sich die weißen Blüten eindrucksvoll über einer hell braunroten Belaubung der Felsenbirne (Amelanchier ovalis) ab. Sie werden begleitet von den gelben Blüten des Brillenschötchens (Biscutella laevigata). Im Sommer setzen Traubige Graslilie (Anthericum lililago), Diptam (Dictamnus albus), Blauer Lattich (Lactuca perennis) oder der gelbblühende Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora) eine Palette bunter Farbakzente.

Der Strukturreichtum und die Gewässergüte insbesondere der überwiegend im Wald verlaufenden naturnahen Seitengewässer sind sehr gut. Extensiv genutzte Grünlandbereiche, Eschen-Erlen-Bachuferwälder und lokal auch Eichen-Ulmen-Auenwälder sind meist als schmales Band in der Aue angelegt. Typische Arten der naturnaher Fließgewässerlebensräume sind die Groppe, die seltene Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata) und die Wasseramsel. Besonders arten- und individuenreich ist das Gelbachtal, das für die Vernetzung von Bläulingsarten, insbesondere des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Maculinea nausithous), eine entscheidende Funktion besitzt.

Von herausragender Bedeutung ist das Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Würfelnatter, einer Charakterart der Flussauenbiotope, an der Schleuse Hollerich bei Nassau. Hier kommt auch die in Rheinland-Pfalz ebenfalls vom Aussterben bedrohte Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) vor.

Gelbbauchunke und Laubfrosch nutzen die Lebensräume in den (Kalk-)Abbauflächen und Tümpel auf den Bergrücken. Die Schmittenhöhe ist solch ein bedeutender Amphibienlebensraum.


Lebensraumtypen (Anhang I):

    3150 - Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions
    3260 - Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion
    3270 - Flüsse mit Schlammbänken mit Vegetation des Chenopodion rubri p.p. und des Bidention p.p.
    4030 - Trockene europäische Heiden
  * 6110 - Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi)
  * 6210 - Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia), (* besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)
  * 6230 - Artenreiche montane Borstgrasrasen (und submontan auf dem europäischen Festland) auf Silikatböden
    6430 - Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe
    6510 - Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)
    8150 - Kieselhaltige Schutthalden der Berglagen Mitteleuropas
    8210 - Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation
    8220 - Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
    8230 - Silikatfelsen mit ihrer Pioniervegetation (Sedo-Scleranthion, Sedo albi-Veronicion dillenii)
    8310 - Nicht touristisch erschlossene Höhlen
    9110 - Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)
    9130 - Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)
    9160 - Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Eichen-Hainbuchenwald (Carpinion betuli)
    9170 - Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum)
  * 9180 - Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion)
  * 91E0 - Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno padion, Alnion incanae, Salicion albae)
    91F0 - Hartholz-Auenwälder mit Quercus robur, Ulmus laevis, Ulmus minor, Fraxinus excelsior oder Fraxinus angustifolia (Ulmenion minoris)

* = Prioritärer Lebensraumtyp


Arten (Anhang II):

Säugetiere
    Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
    Großes Mausohr (Myotis myotis)

Amphibien
    Gelbbauchunke (Bombina variegata)
    Kamm-Molch (Triturus cristatus)

Fische und Rundmäuler
    Bitterling (Rhodeus amarus)
    Groppe (Cottus gobio)
    Lachs (Salmo salar)

Käfer
    Hirschkäfer (Lucanus cervus)

Schmetterlinge
    Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)
Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria)

Pflanzen
    Prächtiger Dünnfarn (Trichomanes speciosum)

* = Prioritäre Art


Links:

Datenblatt   -   Legende zum Datenblatt

Vogelschutzgebiet 5611-401 - Lahnhänge
www.lfu.rlp.de/Aufgaben/Naturschutz/NSG_Album


Literatur:

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Copyright LfU - Stand: 12.02.2016