Natura2000 FFH Gebietssteckbrief 5408-302



Steckbrief zum FFH-Gebiet

5408-302 -

Ahrtal

Karte

Ahrtal


Größe [ha]: 1.659

Landkreise und kreisfreie Städte:
Ahrweiler, Vulkaneifel

Verbandsgemeinden und verbandsfreie Gemeinden:
Adenau, Altenahr, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Hillesheim, Sinzig


Gebietsbeschreibung:

Das Ahrtal ist eines der Durchbruchstäler durch das rheinische Schiefergebirge, die durch die erosive Tätigkeit des Rheins und seiner Nebenflüsse entstanden sind. Wegen der unterschiedlichen Härte und Struktur des Ausgangsgesteins bildeten sich windungsreiche Flussläufe und steile Felshänge in vielgestaltiger Form. Die Ahr hat sich bis zu 200 m tief in die Hochflächen eingeschnitten. Je nach Beschaffenheit der unterdevonischen Grauwacken-Schiefergesteine variieren die Sohlenbreite des Kerbtals und die Steilheit der hohen, überwiegend bewaldeten Talhänge. Zwischen Dorsel und Kreuzberg ist die Talaue zwischen 50 und 500 m breit mit einzelnen Flussmäandern. Anschließend beginnt das Engtal, das bis Walporzheim von großen Mäandern mit ausgeprägten Prall- und Gleithängen gekennzeichnet ist. In den engen Talbereichen treten schroffe Felswände und -nadeln auf. Zum Rhein hin entwickelt die Ahr ein breites Sohlental mit sanften Böschungen.

Ein besonders naturbelassener Abschnitt ist das Naturschutzgebiet "Ahrschleife bei Altenahr". Die "Breite Ley" genannte Felswand am Eingang des Langfigtals erlaubt intensive Einblicke in die geologische Geschichte des Gebietes.

Während die Talaue der Ahr meist als Grün- und Ackerland genutzt wird, sind die steilen Talhänge und Rücken überwiegend bewaldet. Vor allem an südexponierten Stellen wachsen lichte Hainsimsen-Buchenwälder, aber auch Edelholzwälder (Aceri-Tilietum). Ehemals als Niederwald genutzte Wälder sind den Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwäldern (Stellario-Carpinetum) zuzuordnen. Im Engtalbereich wird an den der Sonne zugewandten Steilhängen Weinbau betrieben.

Relief und Bodenentwicklungsprozesse bedingen wie auch das warme und trockene Klima eine hohe Standortvielfalt. Die extremen Standortbedingungen der Talhänge sind Grund für die Entwicklung einer außergewöhnlichen und vielfältigen Flora, an der sowohl submediterrane als auch atlantische Arten einen hohen Anteil haben. 

Charakteristisch für die steilen Felswände und schroffen Felssporne des mittleren Ahrtals sind Komplexe aus xerothermen Felsflur- und Felsspaltengesellschaften mit Arten wie Brillenschötchen (Biscutella laevigata), Nordischer Streifenfarn (Asplenium septentrionale) und Kalk-Blaugras (Sesleria albicans), Trockengebüschen wie  Felsenbirnen-Steinmispelgebüsch und Ginsterheiden, Trockenrasen, Zwergstrauchheiden und Trocken- und Gesteinshaldenwäldern. Im Gebiet wachsen mehrere seltene Farn-, Fetthennen- (Sedum sp.) oder Hauswurzarten (Sempervivum tectorum). Die felsigen Standorte im Bereich der Ahrschleife bei Altenahr sind aufgrund des Reliefs an manchen Stellen nie unmittelbar von Menschen beeinflusst worden. Hier ist die Vegetation noch ursprünglich. Zwischen Kreuzberg und Walporzheim erreichen die Trockenbiotope ihre größte Vielfalt und Ausdehnung. Hier kommen natürliche Trockenbiotope zusammen mit Halbtrockenrasen, Weinbergsbrachen und Trockenmauern vor. Dieses kleinteilige, traditionelle Nutzungsmosaik einer alten Weinbaulandschaft ist zugleich von außerordentlichem kulturhistorischen Wert.

Die Pfingstnelkenflur (Diantho-Festucetum pallentis), die in Rheinland-Pfalz im Ahrtal ihren Vorkommensschwerpunkt hat, ist kleinklimatisch bedingt auf den Engtalabschnitt um Altenahr begrenzt. Auch die Beifuß-Wimperperlgrasflur (Artemisio-Melicetum ciliatae) ist in diesem Bereich am vielfältigsten entwickelt, kommt aber auch talaufwärts vor. Bei der Ortschaft Schuld tritt sie im Komplex mit Trockenwäldern und Besenginster-Felsheide (Sarothamnetum) auf, die oberhalb von 280 m das Zwergmispel-Felsenbirnengebüsch als natürliches Trockengebüsch ersetzt. Die Trockenbiotopkomplexe bei Schuld werden vom Steppengrashüpfer besiedelt.

Auch Ufer- und Überschwemmungszonen des Gewässersystems sind reich strukturiert. Bach- und Flußauenwälder sind an den naturnahen Abschnitten der Ahr als Galeriewald ausgebildet, der an manchen Stellen durch Pestwurzfluren und Rohrglanzgrasröhrichte abgelöst wird, die den Sand- und Kiesbänken vorgelagert sind. Wasseramsel und Eisvogel weisen auf Bereiche mit hoher Strukturqualität hin. Besonders in der Ahrschleife bei Altenahr sind naturbelassene Uferbiotope mit Kies- und Sandbänken noch typisch ausgebildet.

Faunistisch ist das Ahrtal aufgrund der hohen Zahl spezialisierter Insekten bemerkenswert. Dies gilt nicht nur für die Heuschrecken- und Schmetterlingsfauna. Allein bei den Käfern wurden bisher etwa 1350 verschiedene Arten nachgewiesen, darunter einige, die im gesamten Rheinland bisher nur im Bereich der Ahrschleife gefunden wurden. 

Seltene und gefährdete Arten wie Mauereidechse, Zippammer und der wärmeliebende Segelfalter (Iphiclides podalirius) haben an der Ahr einen Verbreitungsschwerpunkt in Rheinland-Pfalz. Dabei bleiben Zippammer und Segelfalter weit­ge­hend auf den Bereich von Bad Neuenahr bis Altenahr beschränkt. Die Zippammer ist eine der gefährdeten Zugvogelarten, die die Meldung des Vogelschutzgebietes 5507-401 Ahrgebirge an die EU begründet. Sie befindet sich wie viele Schmetterlingsarten, darunter der Kleine Schlehen-Zipfelfalter (Satyrium acaciae) hier an der Nordgrenze ihres Verbreitungsareals. Weitere Arten der EU-Vogelschutzrichtline wie Wespenbussard, Haselhuhn, Uhu, Schwarzstorch und Neuntöter kommen ebenfalls im Gebiet vor.

Auf der Fläche der Verbandgemeinde Adenau wird das Naturschutzgroßprojekt "Obere Ahr-Hocheifel" durchgeführt, um die wertvollen Lebensräume im Gebiet nachhaltig zu sichern. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie unter Links.


Lebensraumtypen (Anhang I):

    3150 - Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions
    3260 - Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion
    3270 - Flüsse mit Schlammbänken mit Vegetation des Chenopodion rubri p.p. und des Bidention p.p.
    4030 - Trockene europäische Heiden
  * 6210 - Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia), (* besondere Bestände mit bemerkenswerten Orchideen)
    6430 - Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe
    6510 - Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)
    8150 - Kieselhaltige Schutthalden der Berglagen Mitteleuropas
    8220 - Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
    8230 - Silikatfelsen mit ihrer Pioniervegetation (Sedo-Scleranthion, Sedo albi-Veronicion dillenii)
    9110 - Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)
    9130 - Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)
    9170 - Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum)
  * 9180 - Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion)
  * 91E0 - Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno padion, Alnion incanae, Salicion albae)

* = Prioritärer Lebensraumtyp


Arten (Anhang II):

Säugetiere
    Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)
    Großes Mausohr (Myotis myotis)

Amphibien
    Gelbbauchunke (Bombina variegata)

Fische und Rundmäuler
    Bachneunauge (Lampetra planeri)
    Groppe (Cottus gobio)
    Lachs (Salmo salar)

Käfer
    Hirschkäfer (Lucanus cervus)

Schmetterlinge
    Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)
Spanische Flagge (Euplagia quadripunctaria)

Pflanzen
    Prächtiger Dünnfarn (Trichomanes speciosum)

* = Prioritäre Art


Bewirtschaftungsplanung:
BWP_2011_01_N   -   Karte


Links:

Datenblatt   -   Legende zum Datenblatt
\"\" NSG-ALBUM

www.kreis-ahrweiler.de/textMI.php?id=436
http://de.wikipedia.org/wiki/Ahrtal


Literatur:

Büchs, W.; Kühle, J. C.; Neumann, Ch.; Wendling, W. (1989): Untersuchungen zur Fauna und Flora im Großraum Altenahr - ein Beitrag zur Charakterisierung eines Naturraumes. Jber. naturwiss. Ver. Wuppertal 42: 225-237.

Büchs, W. et al. (2003) : Das Naturschutzgebiet "Ahrschleife bei Altenahr" (einschließlich angrenzender schutzwürdiger Bereiche)- Fauna, Flora, Geologie und Landespflegeaspekte, Teil III. Beiträge zur Landespflege in Rheinland-Pfalz 17. Hrsg. Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Oppenheim. 374 pp.

Büchs, W.; Twelbeck, R. (2003): Faunistische und floristische Auswirkungen von Pflegemaßnahmen zur Offenhaltung von Magerrasenweiden im Mittelgebirge vor dem Hintergrund ihrer historischen Entwicklung. Mitt. Biol. Bundesanst. Land-Forstwirtsch. 393: 142-159.

Fuchs, F.-J. (1982): Brutvögel und Durchzügler (Überwinterer) im Langfigtal bei Altenahr. Jahresbericht 1982, Hrsg. Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV) - Verband für Natur- und Umweltschutz - Gruppe Ahrtal und Umgebung e.V. (Kreis Ahrweiler): 14-16.

Fuchs, F.-J.; Braun, M. (1999): Verbreitung und Ökologie von Rotflügeliger und Blauflügeliger Ödlandschrecke (Oedipoda germanica und Oedipoda caerulescens) im Landkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 25: 233-240.

Kinkler, H.; Schmitz, W.; Swoboda, G. (1981): Beitrag zur Schmetterlingsfauna des geplanten Naturschutzgebietes "Ahrschleife" bei Altenahr (Rhld.-Pfl.). Ornithologie u. Naturschutz (1980): Jahresbericht Westerwald Mittelrhein Mosel - Eifel - Ahr Heft 2: 210-221.

Kolbe, W.; Macke, T.; Meyer, W.; Möseler, B.M.; Rütten, M. (1989): Exkursionsbericht: Geologisch-biologische Exkursion im Bereich der großen Ahrschleife bei Altenahr am 25. Juni 1988. Decheniana 142: 157-164.

Kremer, B. P.; Caspers, N. (1982): Das Ahrtal Rheinische Landschaften 23. 31 pp.

Kümmel, K. (1950): Das mittlere Ahrtal. Eine pflanzengeographisch-vegetationskundliche Studie. Pflanzensoziologie 7. 193 pp.

LfUG; FÖA (1993): Planung Vernetzter Biotopsysteme Rheinland-Pfalz. Bereich Landkreis Ahrweiler. Ministerium für Umwelt Rheinland-Pfalz, Mainz und Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, Oppenheim (Hrsg.). 290 pp., Anhänge, Karten.

Ministerium für Umwelt und Forsten (Hrsg.) (2000): Fische und Fischerei in Rheinland-Pfalz. Bestandsaufnahme, fischereiliche Nutzung, Fischartenschutz. Ministerium für Umwelt und Forsten. Mainz. 258 pp.

Monreal, M. (2010): Das Ahrtal. Naturblick 9(1): 32-39.

Pollig, C. (1986): Vegetationskundlich-ökologische Untersuchungen an Eschen-Ahorn-Schatthangwäldern (Tilio-Acerion) im Ahrtal. Diplomarbeit Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät Universität Bonn. 129 pp.

Raehmel, C. A. (1977): Zum Vorkommen von Natrix tessellata an der Ahr (Rheinland-Pfalz) (Reptilia, Serpentes, Colubridae). Salamandra 13(1): 54.

Wendling, W. (1985): Das Naturschutzgebiet "Ahrschleife bei Altenahr", genannt "Langfigtal". Heimatjb. Krs. Ahrweiler 42: 104-111.


Copyright LfU - Stand: 01.02.2016