Natura2000 FFH Gebietssteckbrief 5314-304



Steckbrief zum FFH-Gebiet

5314-304 -

Feuchtgebiete und Heiden des Hohen Westerwaldes

Karte

Größe [ha]: 4.780

Landkreise und kreisfreie Städte:
Altenkirchen, Westerwaldkreis

Verbandsgemeinden und verbandsfreie Gemeinden:
Bad Marienberg (Westerwald), Daaden, Gebhardshain, Hachenburg, Rennerod, Westerburg


Gebietsbeschreibung:

Der Hohe Westerwald ist eine flach gewellte, weiträumige Mittelgebirgslandschaft. Die Fuchskaute ist mit 657 m die höchste Erhebung. Sie ist eine der für dieses Gebiet charakteristischen Basaltkuppen, die ihre Umgebung nur bis zu 100 m überragen. Die relativ kurze Vegetationsperiode und hohe Niederschläge ließen in früheren Zeiten eine großflächige, extensive Grünlandwirtschaft entstehen. In flachen Tälern bildeten sich Hochstaudenfluren, Röhrichte, Seggensümpfe und anmoorige Wiesen aus.

Die Kuppen wurden vielfach als Huteweiden genutzt. Dabei haben sich Borstgrasrasen, bunte Arnika-Triften und in ortsfernen Lagen die Wacholderheiden entwickelt. Während diese Gesellschaften noch bis vor wenigen Jahrzehnten das Landschaftsbild bestimmten, nehmen heute Fichtenaufforstungen zu. Durch Aufgabe der Grünlandnutzung fielen Flächen brach. Vor allem Mädesüß-Hochstaudenfluren breiteten sich aus. Aufgabe der Grünlandnutzung, Aufforstung und Intensivierung bedingen das Verschwinden der typischen Vegetation des Hohen Westerwaldes.

Arten einer montanen oder sogar nordischen Flora kommen im Hohen Westerwald gehäuft vor. Beispiele hierfür sind die Mondraute (Botrychium lunaria) (montan-arktisch), Borstgras (Nardus stricta) (montan-boreal), Weiße Waldhyazinthe (Platanthera bifolia) (montan-boreal), Wiesen-Leinblatt (Thesium pyrenaicum) (montan-temperiert) und Nordisches Labkraut (Galium boreale) (montan-boreal).

An die Alpenflora erinnern die gelb blühenden Trollblumenwiesen, die charakteristisch sind für die bunten Waldstorchschnabel-Goldhaferwiesen (Geranio-Trisetetum) und die Sumpfdotterblumenwiesen (Calthion). Ein wunderbares Farbspiel der Blüten ergibt sich vor allem im Mai und Juni, wenn die gelben Blütenköpfe der Trollblume über einem Teppich aus rosa Blüten des Wiesenknöterich schweben. DieseTrollblumen-Wiesenknöterich-Gesellschaft (Trollius europaeus-Polygonum bistorta-Gesellschaft) ist kennzeichnend für den Hohen Westerwald. Nicht minder eindrucksvoll sind die Magerwiesen mit dem orangefarbenen Habichtskraut und die Himmelsleiterfluren (Valeriano-Polemonietum).

Unter anderem im NSG Fuchskaute haben sich großflächig magere Frischwiesen bzw. -weiden, seltene Feuchtwiesenassoziationen (z.B. Trollblumen-Feuchtwiesen, Fadenbinsenwiesen) sowie Borstgrasrasen erhalten, wie sie heute zunehmend im Rückgang begriffen sind. Die typische Artenzusammensetzung der Borstgrasrasen wurde einst durch das Weidevieh bestimmt, welches selektiv bestimmte Arten abweidete und andere wie den Wacholder oder das Borstgras stehen ließ. Das NSG Fuchskaute beherbergt eine der bedeutendsten Populationen des Skabiosen-Scheckenfalters (Euphydryas aurinia) in Rheinland-Pfalz.

Großflächige Magerrasenkomplexe finden sich auch im Raum Westernohe mit typischen Arten der Halbtrockenrasen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden. Die feuchten Ausprägungen dagegen sind Lebensraum der Bekassine, einer Charakterart des Hohen Westerwaldes und der Bläulingsarten Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous) und Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius), deren Vorkommen hier von herausragender Bedeutung sind.

Im Bereich des Truppenübungsplatzes Daaden existiert ein für die Landschaft des Westerwaldes typisches Mosaik aus Wäldern und Offenlandbiotopen. Diese Lebensräume werden von in Rheinland-Pfalz seltenen und spezialisierten Tierarten besiedelt, wobei vor allem die Vorkommen der Vögel und Tagfalter etwas besser bekannt sind. Neuntöter und Raubwürger erreichen hier hohe Dichten, ebenso Braunkehlchen und Wiesenpieper. Unter den Tagfaltern fallen besonders die Scheckenfalter (u.a. der Braunfleckige Perlmutterfalter Boloria selene) und die Feuerfalter (u.a.der Lilagold-Feuerfalter Lycaena hippothoe) auf. Der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle), einer der seltensten Tagfalter in Deutschland, hat im Hohen Westerwald einen europäischen Verbreitungsschwerpunkt.

Im Gebiet des Truppenübungsplatzes liegt auch das Derscher Geschwemm, ein ausgedehntes Zwischenmoor mit mehreren in Rheinland-Pfalz extrem seltenen Tier- und Pflanzenarten wie Schlamm-Segge (Carex limosa), Draht-Segge (Carex diandra) und Großes Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia).

Aufgelassene Basaltsteinbrüche wie die Naturschutzgebiete Hasselichskopf und Rosenheimer Lay sind wie auch die Tongruben im Raum Elkenroth mit ihren Wasser- und Flachwasserzonen und Steilhängen Lebensraum bedrohter Pflanzen- und Tierarten, insbesondere Amphibien, Reptilien, Vögel und Libellen.

Zu den wenigen größeren Gewässern im Gebiet gehört die Breitenbachtalsperre, die mit ihren Wasser- und Flachwasserlebensräumen sowie den umgebenden Feuchtwiesenbereichen insbesondere für viele Brutvogelarten und als Rastplatz von Bedeutung ist, aber auch für viele seltene Schmetterlingsarten.

In der Aue des Seebachtals mit ihren Verlandungsgesellschaften, Feucht- und Nasswiesen, Niedermoor, Bortgrastriften sowie Erlen- und Buchenwäldern kommt wie an vielen anderen Bachabschnitten im Westerwald die Wasseramsel vor. Ausgedehnte Erlensumpfwälder und Basaltblockschutthalden mit einer naturnahen und landschaftstypischen Zonierung kennzeichnen das NSG Lindians Seifen westlich Elkenroth.


Lebensraumtypen (Anhang I):

    3150 - Natürliche eutrophe Seen mit einer Vegetation des Magnopotamions oder Hydrocharitions
    3260 - Flüsse der planaren bis montanen Stufe mit Vegetation des Ranunculion fluitantis und des Callitricho-Batrachion
    4030 - Trockene europäische Heiden
    5130 - Formationen von Juniperus communis auf Kalkheiden und -rasen
  * 6230 - Artenreiche montane Borstgrasrasen (und submontan auf dem europäischen Festland) auf Silikatböden
    6410 - Pfeifengraswiesen auf kalkreichem Boden, torfigen und tonig-schluffigen Böden (Molinion caeruleae)
    6430 - Feuchte Hochstaudenfluren der planaren und montanen bis alpinen Stufe
    6510 - Magere Flachland-Mähwiesen (Alopecurus pratensis, Sanguisorba officinalis)
    6520 - Berg-Mähwiesen
    7140 - Übergangs- und Schwingrasenmoore
    8150 - Kieselhaltige Schutthalden der Berglagen Mitteleuropas
    8220 - Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation
    8230 - Silikatfelsen mit ihrer Pioniervegetation (Sedo-Scleranthion, Sedo albi-Veronicion dillenii)
    9110 - Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)
    9130 - Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum)
    9160 - Subatlantischer oder mitteleuropäischer Stieleichenwald oder Eichen-Hainbuchenwald (Carpinion betuli)
    9170 - Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum)
  * 9180 - Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion)
  * 91D0 - Moorwälder
  * 91E0 - Auenwälder mit Alnus glutinosa und Fraxinus excelsior (Alno padion, Alnion incanae, Salicion albae)

* = Prioritärer Lebensraumtyp


Arten (Anhang II):

Amphibien
    Gelbbauchunke (Bombina variegata)
    Kamm-Molch (Triturus cristatus)

Fische und Rundmäuler
    Groppe (Cottus gobio)

Schmetterlinge
    Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle)
    Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea nausithous)
    Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius)
    Skabiosen-Scheckenfalter (Euphydryas aurinia)


Bewirtschaftungsplanung:
BWP_2010_01_N   -   Karte


Links:

Datenblatt   -   Legende zum Datenblatt
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Literatur:

Fasel, P. (1988): Faunistisch-ökologische Untersuchung eines montanen Magerweidenkomplexes im NSG Fuchskaute, Hoher Westerwald. Fauna Flora Rheinland-Pfalz 5(1): 181-223.

Fischer, K. (1996): Populationsstruktur, Mobilität und Habitatpräferenzen des Blauschillernden Feuerfalters Lycaena helle Denis & Schiffmüller, 1775 (Lepidoptera: Lycaenidae) in Westdeutschland. Diplomarbeit am Fachbereich Biologie (Fachgebiet Naturschutz) der Phillips-Universität Marburg. 116 pp.

Fischer, K. (1997): Warzenbeißer Decticus verrucivorus auf der Fuchskaute (Westerwald). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 22: 169-170.

Fischer, K.; Kunz, M. (1994): Grünland-Leitarten des Westerwaldes: Verbreitung, Lebensraumansprüche, Gefährdung, Schutz. Im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht 205 pp. + Anhang.

Froehlich, C. (1990): Verbreitung und Gefährdungssituation der Heuschrecken (Insecta: Saltatoria) im Regierungsbezirk Koblenz. Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6(1): 5-200.

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Gülich, J. (1993): Dauerbeobachtungsprogramm Naturschutzgebiet Emmerzhausen - 1993 - im Landkreis Altenkirchen (Reg.-Bez. Koblenz). Erstellt im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Oppenheim von Johannes Gülich, Waldstr. 7, 5232 Seelbach. 12 pp.

Häbel, H.-J. (1980): Die Kulturlandschaft auf der Basalthochfläche des Westerwaldes vom 16. bis 19. Jahrhundert. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 27. 483 pp.

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LfUG; FÖA (1993): Planung Vernetzter Biotopsysteme. Bereich Landkreis Westerwald. Ministerium für Umwelt Rheinland-Pfalz, Mainz und Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht, Oppenheim (Hrsg). 214 pp., Anlagen und Karten.

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Roth, H. J.; Fasel, P.; Jung, A. (1995): Hoher Westerwald. Rheinische Landschaften 45. 31 pp.

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Schwickert, P. W. (1992): Vegetationsgeographische Untersuchungen im Hohen Westerwald unter besonderer Berücksichtigung der Pflanzengesellschaften des montanen Grünlandes. Fauna Flora Rheinland-Pfalz Beiheft 4. 136 pp.,


Copyright LfU - Stand: 01.02.2016