Steckbrief zur Art A377 der Vogelschutz-Richtlinie

Zaunammer (Emberiza cirlus)


Zaunammer (Emberiza cirlus)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
- X 2 220 – 250 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; oft auch winterlicher Standvogel ca. 200 Brutpaare stark schwankend, aber etwa gleichbleibend


Kennzeichen:

Länge: 15 – 16,5 cm. In Größe, Gestalt und Verhalten der Goldammer (E. citrinella) ähnlich, jedoch im Durchschnitt geringfügig kleiner und etwas gedrungener. In allen Kleidern leicht durch die matt olivgraue (nicht rostbraune) Färbung von Bürzel und Oberschwanzdecken zu unterscheiden. Männchen mit kennzeichnend streifigem Kopfmuster: schwärzliche Färbung von Kehle und Augenstreif, Gelbfärbung von Überaugenstreif, Streif von der Schnabelbasis zu den Ohrdecken und halber Halsring, breites oliv- und rostfarbenes Brustband – dadurch kaum zu verwechseln. Dieses Muster ist in frischem Gefieder (Herbst und Winter) teilweise verdeckt, jedoch immer noch erkennbar. Weibchen erinnern stark an Goldammerweibchen, jedoch stets mit unauffällig bräunlichgrauem, nicht rostbraunem Bürzel (aber manchmal sind die Oberschwanzdecken leicht rostbraun überflogen). Zaunammer ferner mit zarterer Streifung an Kopf und Unterseite und typischerweise (aber nicht immer) mit undeutlicherem gelblichem Anflug unterseits; außerdem oft mit deutlicherem, kontrastreicher abgesetztem hellem Überaugenstreif. Außerhalb der Brutzeit in kleinen Trupps. Kontaktruf ist ein dünnes, scharfes „zit“ oder „sip“, das bei Erregung zu einem scharfen „sisisi-sip-sip“ gereiht wird; daneben bei Gefahr ein langes abfallendes „zieh“ und eine sehr schnelle Folge von Klicklauten. Gesang trocken klappernd („zezezezeze....“), ähnlich dem der Klappergrasmücke Sylvia curruca, weniger hoch als der erste Teil des Goldammergesangs und ohne dessen Schlusston („lieb“); die Tonhöhe variiert.


Lebensraum:

Kulturland mit hohen Hecken und Bäumen, offener Wald, Waldränder, Lichtungen, Obstgärten, Weinberge und große Gärten. Im Winter oft Stoppelfelder und kräuterreiche Äcker in der Nähe von hohen Hecken oder Bäumen. Eher baumbestandene Habitate als Goldammer. Die Lebensräume in der Pfalz bestehen aus steilen, trockenheißen Hängen mit terrassierten Weinbergen, einzelnen Bäumen, wenig gepflegten Obststücken und Gebüsch.


Biologie und Ökologie:

Die Zaunammer ist Standvogel und gelegentlicher Teilzieher. Ein großer Teil der Population harrt den ganzen Winter über in seinen Revieren aus. Am seltensten hört man den fast das ganze Jahr vorgetragenen Gesang in den Monaten Dezember und Januar sowie im September (Mauserzeit?). Die Nistplatzbesetzung erfolgt im Laufe des März. Bereits an sonnigwarmen Januartagen und vermehrt im Februar entwickeln Zaunammern intensives Revierverhalten, das aber mit Schlechtwettereinbrüchen vorübergehend wieder erlischt. In der Pfalz sind bis Ende März über 90 % der Reviere besetzt. Der Neststandort ist zumeist in Höhen zwischen 50 cm und ca. 2 Metern in Büschen oder in Nischen von Weinbergsmauern. Die größte Höhe in der Pfalz betrug 3,2 Meter. Auf gute Deckung wird bei der Nestanlage ganz besonderer Wert gelegt, weshalb sich außerhalb von Weinbergsbiotopen der größte Teil der Nester in Nadelsträuchern und gestutzten Hecken befindet. In der Pfalz beginnt der Nestbau für die erste Brut gewöhnlich um den 20. April, ausnahmsweise aber bereits früher im April. Legebeginn: Der Legebeginn für die erste Brut fällt in Rheinland-Pfalz gewöhnlich auf Ende April/Anfang Mai. Die GeIegegröße beträgt bei Erstbruten in der Regel 4 Eier, seltener nur 3. Späte Gelege haben häufiger nur noch 3 oder 2 Eier. Die Brutdauer ist 11 – 14 Tage mit einer Häufung bei 12 und 13 Tagen, die Nestlingszeit 10 – 14 Tage. Die Jungen sind erst im Alter von 15 Tagen in der Lage, über größere Strecken gut zu fliegen, im Alter von 18 Tagen beginnen die Jungen selbständig nach Nahrung zu picken, sie werden aber noch im Alter von 20 Tagen regelmäßig gefüttert. Es finden zumeist zwei Bruten im Jahr statt. Bei ungestörten Verhältnissen können aber wohl regelmäßig auch 3 Bruten aufgezogen werden. Die Nahrung der Altvögel ist zu hohen Anteilen vegetabilisch, sie besteht vor allem aus kleinen Sämereien. Im Sommer wie auch als Nestlingsnahrung werden hauptsächlich Insekten und deren Entwicklungsstadien aufgenommen.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Die Zaunammer ist Brutvogel der mediterranen und gemäßigten Zone der Südwest-Paläarktis von Nordwest-Afrika bis in die Türkei. In Mitteleuropa außerhalb der Schweiz ist sie nur inselartig in wärmebegünstigten Räumen zu finden, wobei die Vorkommen entlang des Haardtrandes in Rheinland-Pfalz und Einzelvorkommen im Naheraum die Nordostspitze der Verbreitung darstellen und innerhalb von Deutschland sehr bedeutend sind. 


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

6514-401 - Haardtrand


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Berck, K.-H.
(1995): Zaunammer Emberiza cirlus. – In: Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (Hrsg.) (1995): Avifauna von Hessen, 2. Lieferung.

Bezzel, E. (1993):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Passeres. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J.
(1998): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Singvögel. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft IV. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & V. Schmidt
(2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004):
Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof
(2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Groh, G. (1990):
Die Zaunammer – Emberiza cirlus – Beiträge zur Fauna von Rheinland-Pfalz. –  Mainzer Naturw. Archiv 13: 239-245.

Groh
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Hagemeijer, W. J. M. &  M. J. Blair
(1997): The EBBC-Atlas of European breeding Birds Their Distribution and Abundance. Poyser, London.

Hölzinger, J.
(1997): Die Vögel Baden-Württembergs – Singvögel 2. Ulmer Verlag, Stuttgart.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Rheinwald
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Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
(2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström
(1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.