Natura2000 VSG Artensteckbrief: Wachtelkönig



Steckbrief zur Art A122 der Vogelschutz-Richtlinie

Wachtelkönig (Crex crex)


Wachtelkönig (Crex crex)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
X - - 1.300 – 1.900 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; Sommervogel, Durchzügler ca. 20 – 40 Brutpaare gering schwankende Bestände, in den letzten Jahren zunehmend


Kennzeichen:

Länge 27 – 30 cm. Oft zu hören, aber schwer zu sehen. Erinnert am Boden an ein schmales Rebhuhn, ist aber einheitlicher gefärbt, langbeiniger und dickschnäbliger. Ein mittelgroßer, bräunlicher Vogel, der manchmal fast unter den Füßen hochfliegt, dann unterscheiden ihn die rostbraunen Flügeldecken und herabbaumelnden Beine von allen Hühnervögeln. Deren Flügel sind im Verhältnis kürzer, die Flügelschläge rascher. Revieranzeigende Wachtelkönige laufen manchmal aus der Deckung, oder Kopf und Hals ragen über die Halme. Verwechslung mit anderen Vögeln unwahrscheinlich. Die Geschlechter sind einander sehr ähnlich, Weibchen allerdings an den Kopf- und Halsseiten weniger grau. Jungvögel ober- und unterseits mehr isabellfarben, rostbraune Flanken, Bänderung undeutlicher. Der Reviergesang ist unverwechselbar und fast ausnahmslos der einzige Hinweis auf die Anwesenheit des Vogels. Weittragend, wiederholt, trocken, hölzern, zweisilbig „rrerrp-rrerrp, rreerrp-rrerrp“ ähnlich einem harten Gegenstand, der über die Zinken eines Haarkamms streicht. Rufe der schwarzen Küken ein einsilbiger scharfer Laut („psiau“), der bis zu 50 m weit trägt und dem Schafstelzenruf nicht unähnlich ist.


Lebensraum:

Der Wachtelkönig bevorzugt halb offene Auen, schütter bewachsene Verlandungszonen, Seggenmoore und natürliche Bergwiesen (stellenweise bis zur subalpinen Stufe). Inzwischen ist er aber vorwiegend in offenem, extensiv genutztem Kulturland mit deckungsreicher Vegetation von etwa 25 – 100 cm Höhe anzutreffen. In Mitteleuropa werden Flächen mit Winter- und Frühjahrshochwasser genutzt. Der Wachtelkönig ist eine typische Wiesenvogelart, die aber auch in höhere Strukturen wie z. B. Weidengehölze eindringt. Besonders früh erscheinende Männchen rufen in den zu dieser Zeit schon ausreichend Deckung bietenden Strukturen wie Hochstauden, Schilf, hochgewachsenen Wiesen oder auch Gehölzgruppen. Die Reviere liegen später nicht in fetten, stark wüchsigen Wiesen, da diese für die am Boden laufende Art undurchdringlich werden. Besonders die Jungtiere benötigen nicht zu dichte Vegetation, da sie sonst sehr schnell durchnässen und sterben. Es werden daher entweder magere oder feuchte Wiesen (verzögertes Pflanzenwachstum) aufgesucht oder Flächen, die früher im Jahr gemäht wurden und zum Aktivitätszeitpunkt der Jungvögel (Juni/Juli) schon wieder höher gewachsen sind.


Biologie und Ökologie:

Der Wachtelkönig tritt relativ unregelmäßig auf, da günstige Lebensräume von Jahr zu Jahr wechseln, daher ist die Ansiedlungsdynamik hoch. Als ausgesprochene Langstreckenzieher, die ihre Überwinterungsgebiete im tropischen und Südost-Afrika haben, erscheinen die ersten Tiere meist erst Ende April/Anfang Mai. Die Altvögel mausern im Anschluss an die Brutperiode ihr Großgefieder und sind dann etwa drei Wochen flugunfähig. Aus diesem Grund dürfte der Abzug frühestens Ende August beginnen, Nachweise liegen aber bis November vor. Die Männchen locken die am nächtlichen Himmel ziehenden Weibchen durch die Bildung von „Rufteppichen“ in die Brutgebiete. Je mehr Männchen in geeigneten Gebieten rufen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Weibchen angelockt werden.

Erscheinen keine Weibchen, verstummen die Rufe und die Männchen verschwinden aus dem Gebiet. Ein Hinweis auf Brüten ist auch, wenn ein Männchen seinen mehrfach besetzten Rufplatz um einige hundert Meter verlegt. Dies führen hauptsächlich Männchen durch, die schon verpaart waren und bei denen das Weibchen das erste Ei gelegt hat. Die Männchen verstummen nach Beendigung der Legeperiode. Gegen Anfang August sind die Jungvögel voll flugfähig, aber schon Ende Juli können sie flattern und den Mähwerkzeugen durch Laufen entkommen. Nach Beobachtungen von Schäffer (1996) werden hierbei auch schon gemähte Bereiche durch Laufen überbrückt. Wichtig sind zu diesem Zeitpunkt Rückzugsräume wie Schilf- und Hochstaudenfluren sowie schon wieder hochgewachsene Wiesen. Auch die Altvögel benötigen solche Rückzugsräume, da sie direkt nach der Brut eine Vollmauser durchmachen. Zu dieser Zeit sind sie flugunfähig und akustisch nicht zu lokalisieren. Nahrung: vielseitig, zumeist Insekten, Kleintiere, aber auch Jungvögel und Pflanzenteile.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Mittlere Breiten von West-Europa bis Sibirien; in Mitteleuropa unregelmäßig, z. T. inselartig verbreitet, die meisten Brutpaare in Polen. 

In Rheinland-Pfalz kann die Art überall auftreten, in den letzten Jahren regelmäßiger im Westerwald, in der Vorder- und Südpfalz.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5312-401 - Westerwald
5409-401 - Ahrmündung
5511-401 - Engerser Feld
6014-402 - Selztal zwischen Hahnheim und Ingelheim
6514-401 - Haardtrand
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
6716-402 - Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002):
Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg. 

Bay. Landesamt für Umweltschutz
: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Wachtelkönig – Crex crex.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wies­baden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon
(im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz. 

Fangrath, M. & P. Hilsendegen
(1999): Brutnachweis des Wachtelkönigs (Crex crex) in der Queichniederung bei Ottersheim. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 9: 97-105.

Flade, M.
(1991): Methoden zum Fangen von Wachtelkönigen. – Vogelwelt 112: 96-102.

Flade, M.
(1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Höllgärtner, M.
(2004): Erfassung des Wachtelkönigs (Crex crex) in Rheinland-Pfalz 2001-2003. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32: 241-250, Landau.

Jürgens, D.
(1999): Erfolgreiche Brut des Wachtelkönigs (Crex crex) in der Wieseckaue bei Gießen 1998. – Vogel und Umwelt 10: 5-12.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau. 

Kunz, A. & L. Simon (1987):
Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau. 

Müller, A. & H. Illner
(2001): Beeinflussen Windenergieanlagen die Verteilung rufender Wachtelkönige und Wachteln? Vortrag Fachtagung „Windenergie und Vögel – Ausmaß und Bewältigung eines Konflikts“. Berlin.

Schäffer, N.
(1994): Methoden zum Nachweis von Bruten des Wachtelkönigs Crex crex . – Vogelwelt 115: 69-73.

Schäffer, N.
(1995): Rufverhalten und Funktionen des Rufens beim Wachtelkönig Crex crex . –  Vogelwelt 116: 141-151.

Schäffer, N.
(1996): Der Wachtelkönig: Ein Unbekannter rückt ins Licht. – Der Falke 43: 316-319. 

Schäffer, N.
(1999): Habitatwahl und Partnerschaftssysteme von Tüpfelralle Porzana porzana und Wachtelkönig Crex crex . – Ökologie der Vögel 21: 1-267. 

Schäffer, N. & M. Hoffmann
(1997): Ortsveränderungen von Wachtelkönigen Crex crex während der Brutsaison. – DOG-Tagung Neubrandenburg. Tagungsband

Schäffer, N. & S. Münch
(1993): Untersuchungen zur Habitatwahl und Brutbiologie des Wachtelkönigs Crex crex im Murnauer Moos/Oberbayern. – Vogelwelt 114: 55-72. 

Schäffer, N.
& W. W. Weisser (1996): Modell für den Schutz des Wachtelkönigs Crex crex. – Journal für Ornithologie 137: 53-75.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002):
Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.