Steckbrief zur Art A030 der Vogelschutz-Richtlinie

Schwarzstorch (Ciconia nigra)


Schwarzstorch (Ciconia nigra)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
X - - 500 – 530 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verlässt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler 35 – 45 Brutpaare zunehmend


Kennzeichen:

Länge 95 – 100 cm, Spannweite 165 – 180 cm. Ein waldbewohnender Storch, der in Mitteleuropa vor allem im Osten verbreitet ist. Das vorwiegend schwarze Erscheinungsbild mit dem kontrastierenden weißen Bauch macht ihn fast unverwechselbar. Wirkt im Flug etwas urtümlich, weil das weiße Dreieck, das von der Rumpfunterseite und den Achselfedern gebildet wird, vom restlichen dunklen Gefieder deutlich absticht. Nutzt wie der Weißstorch auf dem Zug Aufwinde und Thermiken, bildet aber gewöhnlich viel kleinere Trupps. Weniger gesellig als Weißstorch; brütet in Einzelpaaren auf großen Bäumen, selten an Felsklippen. Schnabel, Beine und nackte Haut um das Auge sind zur Brutzeit karminrot. Jungvögel sind gegenüber den Altvögeln insgesamt mehr braun und matter gefärbt, besonders an Kopf und Hals. Ihr Bauch ist jedoch bereits reinweiß und kontrastreich abgesetzt wie bei Altvögeln. Schnabel, Beine und Orbitalbereich sind bei Jungen graugrün, die Schnabelbasis ist orangegelb, die Schenkel sind gelblich. Im Gegensatz zum weitgehend stummen Weißstorch verfügt der Schwarzstorch über verschiedene melodische Rufe, er ist außerhalb des Nestbereiches aber ebenfalls meist schweigsam.


Lebensraum:

Der Schwarzstorch ist ein typischer Waldbewohner und Indikator für störungsarme, altholzreiche Waldökosysteme. Die Brutgebiete liegen überwiegend in großflächigen, strukturreichen und ungestörten Waldgebieten der Mittelgebirge mit eingestreuten aufgelichteten Altholzbeständen (insbesondere Buche und Eiche). Zur Nahrungssuche nutzt die Art abwechslungsreiche Feuchtgebiete, d.h. fischreiche Fließgewässer und Gräben, Bruchwälder, Teichgebiete sowie Nass- und Feuchtwiesen. Der Horst, der durch eine natürliche Anflugschneise (ungenutzte Wege, alte Schneisen) gedeckt angeflogen werden kann, befindet sich in der Regel in altem Baumbestand. Der Horstbaum weist häufig ein geschlossenes Kronendach und starke Seitenäste auf, wobei oft die unteren in Stammnähe zum Horstbau genutzt werden. Neben der Großflächigkeit des Waldgebietes, die allerdings nicht der ausschlaggebende Faktor zu sein scheint, sind offensichtlich vor allem relative Ruhe und Ungestörtheit sowie gut erreichbare Nahrungsgründe für die Brutgebietsauswahl relevant.


Biologie und Ökologie:

Langstreckenzieher mit Winterquartier überwiegend in Südwest-Afrika. Der Heimzug vollzieht sich von Anfang März bis Mitte Mai, die Ankunft an den Brutplätzen findet Mitte März bis Mitte April statt (überwiegend Ende März). Der Wegzug beginnt Mitte Juli bis Ende September (vor allem August). Rastansammlungen sind vor allem in Flachwassergebieten (überflutete Flussauen, Fischteiche, gelegentlich Kleingewässer) anzutreffen. 

Das sehr große Nest wird in der Regel auf alten, großkronigen Bäumen angelegt (Buche, Eiche, seltener Nadelbäume), der Legebeginn liegt Mitte April. Das Flüggewerden der Jungvögel ist bis Anfang August möglich, findet überwiegend jedoch Mitte Juli statt. Durchschnittlich 2 – 3 (selten 4 bzw. 5) flügge Junge je erfolgreichem Paar. Nahrung: v. a. Fische, Amphibien, Wasserinsekten, seltener Kleinsäuger und Reptilien.

Fluchtdistanz 300 – 500 m. Nestrevier 1 – 5 km²; Nahrungsrevier bis 100 km² (sehr hoher Raum­an­spruch). Nahrungsflüge sind bis in Entfernungen von 15 km vom Neststandort nachgewiesen.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Verbreitungsgebiet des Schwarzstorchs sind Süd- und Osteuropa und das südliche Asien. Ein kleiner isolierter Brutbestand besteht in Südafrika. In Mitteleuropa ist er vor allem im Osten verbreitet. Die Schwerpunkte liegen hier in Nordostpolen und im Baltikum mit einer stetigen Verlagerung der Verbreitungsgrenze nach Westen sowie der Besiedelung neuer Arealteile.

Bereits um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) war der Schwarzstorch in den meisten Brutgebieten Westdeutschlands ausgerottet. Intensive Artenschutzmaßnahmen führten zur Wiederbesiedlung zunächst Hessens ab Mitte der 1970er Jahre (hier wurden ab 1982 regelmäßig Bruten festgestellt) und in der Folge auch von Rheinland-Pfalz. Seither hat eine kontinuierliche Bestandszunahme stattgefunden. Im vorletzten Jahrhundert hat die Art im Westerwald gebrütet. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sie von Osten her ihr altes Areal wiederbesiedelt. Heute brüten die meisten Schwarzstörche im Norden des Landes (insbesondere in der Eifel, im Oberwesterwald, an der Sieg und im Hunsrück).


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5312-401 - Westerwald
5412-401 - Westerwälder Seenplatte
5507-401 - Ahrgebirge
5711-401 - Mittelrheintal
5807-401 - NSG Sangweiher und Erweiterung
5809-401 - Mittel- und Untermosel
5908-401 - Wälder zwischen Wittlich und Cochem
6310-401 - Baumholder


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bay. Landesamt für Umweltschutz
: Erhaltungsziele für die Arten der VS–RL: Schwarzstorch – Ciconia nigra.

Beaman, M. & S. Madge (1998):
Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart. 

Bezzel, E. (1985):
Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995):
BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

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(2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004):
Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E.,  Eislöffel, F.,  Jönck, F., Hof, M. & C. Hof
(2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

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(1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

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(1996): Schutzstrategien und Bestandsentwicklung des Schwarzstorches (Ciconia nigra) in Hessen und Rheinland-Pfalz – Ergebnisse einer Fachtagung. – Vogel und Umwelt, Bd. 8, Heft 6: S. 275-286.

Hormann, M. & K. Richarz
(1997): Anflugverluste von Schwarzstörchen (Ciconia nigra) an Mittelspannungsfreileitungen in Rheinland-Pfalz. – Vogel und Umwelt Bd. 9, Sonderheft: Vögel und Freileitungen. S. 285-290.

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Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland
(2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M. 

Svensson, L., Grant, P.,  Mullarney, K. & D. Zetterström
(1999): Der neue Kosmos-Vogelführer.  – Stuttgart.


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sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.