Steckbrief zur Art A082 der Vogelschutz-Richtlinie

Kornweihe (Circus cyaneus)


Kornweihe (Circus cyaneus)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
X - 2 52 – 66 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Unregelmäßiger Brutvogel; Durchzügler 0 – 1 Brutpaare bei Schwankungen gleichbleibend bis leicht abnehmend


Kennzeichen:

Länge 44 – 52 cm, Spannweite 105 – 125 cm. Die Kornweihe ist etwas kleiner, schlanker und lang­schwän­ziger als die Rohrweihe, aber größer und breitflügeliger als Steppen- und Wiesenweihe. Auch zeigt sie rundere Flügelspitzen als die beiden anderen kleinen Arten. Nur mit letzteren zu verwechseln (siehe Wiesenweihe). Auch sie hält im Segel- und Gleitflug die Flügel in einem flachen „V“, gleitet manchmal jedoch mit fast waagrechten Flügeln, anders als Rohr- oder Wiesenweihe. Flügelschlagfrequenz gewöhnlich höher, Gleitstrecken kürzer als bei der Rohrweihe. Das Jugendkleid ist sehr weibchenähnlich, die Gesamtfärbung ist jedoch wärmer, unterseits und auf den Unterflügeldecken mit rötlichbraunem Anflug. Die Säume der Oberflügeldecken sind breiter und heller rötlichbraun, die Armschwingen im Allgemeinen dunkler, der dunkle Halbmondfleck auf den Ohrdecken kräftiger. Die Kornweihe ist gewöhnlich schweigsam. Das Männchen ruft im Balzflug schnell, keckernd „chük-ük-ük-ük-ük-ük“, der Warnruf des Weibchens ist schrill „kekk-ekk-ekk-ekk-ekk“.


Lebensraum:

Brutvogel offener und halb offener, ausgedehnter und wenig gestörter feuchter Niederungsgebiete. Die Brutplätze in Mitteleuropa reichen von Feuchtwiesen, Röhrichten, Großseggenrieden über Heiden, Dünen bis hin zu Ackerflächen. Auch schüttere Verlandungsgesellschaften und Moore, offene Buschlandschaften bis hin zu trockenem Wiesen- und Ackerland werden genutzt.


Biologie und Ökologie:

Die Kornweihe ist ein Mittel- und Kurzstreckenzieher mit Winterquartieren von Mitteleuropa bis Nordafrika. Die Winterquartiere werden nach einem Breitfrontzug erreicht. Die letzten Überwinterer werden in der Regel Mitte April beobachtet. Das Zugmaximum liegt im Februar und März. Der Wegzug findet ab Juli, hauptsächlich jedoch erst im Oktober und November statt.

Der Legebeginn liegt frühestens Ende April, Hauptlegezeit Anfang Mai. Das Gelege umfasst (3) 4 – 6 (7) mattweiße, gelegentlich rötlich gefleckte Eier, im Mittel aus verschiedenen Untersuchungen 4,7. Die Brutdauer beträgt 29 – 31 Tage je Gelege. Die Bebrütung findet wie bei allen Weihen fast ausschließlich durch das Weibchen statt, das Männchen jagt derweil. Die Nestlingszeit ist regulär jedoch erst mit 32 – 42 Tagen abgeschlossen. Die Familie bleibt noch einige Wochen zusammen. Der Bruterfolg liegt bei 1,0 bis 2,3 Jungen je Nest. Der älteste Ringvogel wurde 16 Jahre alt.

Die Nahrung besteht in stärkerem Maße als bei der Rohr- und Wiesenweihe aus Vögeln und Kleinsäugern, bei entsprechendem Angebot dominieren vor allem Feldmäuse. Im Winter tägliche Nahrungsmenge im Mittel 10,5 Wühlmäuse.

Die Fluchtdistanz liegt bei mindestens 100 m, der Raumbedarf zur Brutzeit bei mindestens 1 km².


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Die Kornweihe brütet im mittleren und nördlichen Eurasien vom Atlantik bis zum Pazifik. In Westeuropa gibt es größere Populationen in Frankreich und Nordspanien sowie in Irland und Schottland.

Die wichtigsten Brutgebiete in Deutschland liegen in Nord- und Ostdeutschland. In Rheinland-Pfalz finden seit 1989 (un)regelmäßig Bruten im Donnersbergkreis sowie an der Nahe und am Oberrhein statt.


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bay. Landesamt für Umweltschutz: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Wiesenweihe – Circus pygargus.

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Nonpasseriformes. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Bosselmann, J. (2004): Die Vogelwelt in Rheinland-Pfalz – Tauchenten bis Trappen. – Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz, Sonderheft VII. – Mayen.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (1992): Rote Liste der in Rheinland-Pfalz gefährdeten Brutvogelarten (Stand 31.06.1992). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 1065-1073.

Dietzen, C. & V. Schmidt (2002): Ornithologischer Sammelbericht 2001 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 27.

Dietzen, E., Folz, H.-G. & E. Henß (2004): Ornithologischer Sammelbericht 2003 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 32.

Dietzen, E., Folz, H.-G., Henß, E., Eislöffel, F., Jönck, F., Hof, M. & C. Hof (2003): Ornithologischer Sammelbericht 2002 für Rheinland-Pfalz. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 30.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Folz, H.-G. (1998): Das Ober-Hilbersheimer Plateau/Rheinhessen: Tabuzone für Windkraftanlagen. Mit aktuellen Nachweisen aus der Brut- und Rastvogelwelt. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 8: 1217-1234.

Forsman, D. (1999): The Raptors of Europe and the Middle East. – London.

Gensbol, B. (1986/1997): Greifvögel. – BLV, München.

Glutz v. Blotzheim, U. N., Bauer, K. M. & E. Bezzel (1971): Handbuch der Vögel Mitteleuropas, Bd. 4 (Falconiformes). – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Gnor (2001): Vogelschutz und Windenergie in Rheinland-Pfalz. Gut­achten zur Ermittlung definierter Lebensraumfunktionen bestimmter Vogelarten (Vogelbrut-, -rast- und -zuggebiete) in zur Errichtung von Windkraftanlagen geeigneten Bereichen von Rhein­land-Pfalz. – Erstellt im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbe­auf­sicht Rheinland-Pfalz, 183 Seiten; Materialien Naturschutz und Landschaftspflege 2, Mainz.

Helbig, A. J., Rüschendorf, A., Belting, H. & J. Ludwig (1992): Extrem hohe Winterbestände von Kornweihe (Circus cyaneus) und Mäusebussard (Buteo buteo) im Dümmer-Gebiet, NW-Deutschland. – Die Vogelwarte 36: 196-202.

Hillerich, K. (1995): Wiesenweihe – Circus pygargus. – In: Hessische Gesellschaft für Ornitho­lo­gie und Naturschutz (Hrsg.) (1993-2000): Avifauna von Hessen, 4. Lieferung.

Kostrzewa, A. & G. Speer (1995): Greifvögel in Deutschland. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalzeine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Mebs, T. (1994): Greifvögel Europas – Biologie, Bestandsverhältnisse, Bestandsgefährdung. – Stuttgart.

Rheinwald, G. (1993): Atlas der Verbreitung und Häufigkeit der Brutvögel Deutschlands – Kartierung um 1985. – Schriftenreihe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten Nr. 12. – Rheinischer Landwirtschaftsverlag, Bonn.

Simon, L. (1983): Zum Vorkommen ausgewählter Vogelarten 1980-1983 in der Pfalz. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4: 744-753.

Simon, L. (1991): Kartierung und Sicherung der Weihenbrutplätze (Circus) im südlichen Rheinland-Pfalz: Entwurf eines Artenhilfsprogramms. – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 6: 683-705.

Svensson, L., Grant, P., Mullarney, K. & D. Zetterström (1999): Der neue Kosmos-Vogelführer. – Stuttgart.


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sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.