Natura2000 VSG Artensteckbrief: Braunkehlchen



Steckbrief zur Art A275 der Vogelschutz-Richtlinie

Braunkehlchen (Saxicola rubetra)


Braunkehlchen (Saxicola rubetra)

Status und Häufigkeit:

Anhang I Gefährdeter Durchzügler Rote Liste D Bestand D
- X 3 45.000 – 68.000 Brutpaare
Status RLP Bestand RLP Bestandsentwicklung RLP
Regelmäßiger Brutvogel; verläßt das Brutgebiet im Winterhalbjahr; Durchzügler 1.000 – 1.200 Brutpaare stark abnehmend


Kennzeichen:

Länge 12,5 cm. Erinnert in Gestalt und Verhalten an Schwarzkehlchen, jedoch mit weniger rundlichem Kopf, kürzerem Schwanz und in allen Kleidern mit breitem, hellem Überaugenstreif, heller Kehle und weißer Basis der äußeren Steuerfedern. Männchen im Prachtkleid mit auffällig schwärzlichen Kopfseiten, weißem Überaugenstreif und weißen Kehlseiten sowie mit orangefarbener Brust und Kehlmitte; ferner mit weißen „Schulter“-Abzeichen (eigentlich auf den inneren Flügeldecken, beim Sitzen gewöhnlich verdeckt), einem gemeinsamen Merkmal mit dem Schwarzkehlchen, jedoch machen die ausgeprägten Unterschiede im Kopf-/Kehlmuster eine Verwechslung unwahrscheinlich. Vögel in anderen Kleidern sind matter, eher braun und isabeIlfarben gefärbt als Männchen im Prachtkleid und erinnern stark an Schwarzkehlchen-Weibchen, sind aber oberseits (einschließlich Bürzel und Oberschwanzdecken) auffälliger gemustert, Überaugenstreif und Kehle sind zeichnungslos isabellweißlich. 

Männchen mit auffälligen weißen Basen der äußeren Steuerfedern, Weibchen zeigen bei gespreiztem Schwanz etwas Weiß an der Basis. Meist einzeln oder im Familienverband, auf dem Zug geselliger. Sitzt meist weniger aufrecht als Schwarzkehlchen, zuckt nicht so viel mit Flügeln und Schwanz, außer bei Gefahr, wirkt nicht ganz so hektisch. Hüpft auf dem Boden in schnellen Sprüngen, knickst vor dem Auffliegen. Flugweise kraftvoller, wirkt etwas ruckartiger als beim Schwarzkehlchen. Ruft häufig hart „teck-teck“ oder „wü-teck-teck“. Gesang aus verschiedenen kurzen, abrupt einsetzenden, eiligen Strophen mit zwitschernden und kratzigen Lautfolgen, die an Steinschmätzer erinnern und verschiedene Imitationen enthalten; wirkt abgerissen. Singt oft nachts.


Lebensraum:

Offenes Gelände mit etwas Gebüsch, verbuschte Wiesen, Schilf-, Feucht- und Brachwiesen, Ruderalflächen und sogar recht trockene Heideflächen. In Rheinland-Pfalz fast ausschließlich auf die Feuchtwiesen und Feuchtweiden in den Hochlagen beschränkt, wobei neben Ansitzwarten (gerne Zaunpfähle) auch feuchte, offene Bereiche zur Nahrungssuche notwendig sind.


Biologie und Ökologie:

Das Braunkehlchen ist ein Wiesenbrüter, der sein Nest auf dem Boden anlegt. Es ist ein Weitstreckenzieher, der südlich der Sahara überwintert. Die ersten Braunkehlchen kehren frühestens Anfang April aus den Winterquartieren zurück. Die Fortpflanzungsperiode erstreckt sich von Anfang Mai bis Ende Juli. Der Wegzug ins Winterquartier erfolgt nach rund 4 Monaten im August. Die Männchen treffen zuerst ein. Sie durchstreifen zunächst größere Räume. In Gebieten, die durch Bäume, Sträucher und Weidezäune reich strukturiert sind und so zahlreiche Singwarten enthalten, bilden sich kleinere Ansammlungen. Die Weibchen folgen etwa 4 Tage später nach. Sie suchen ebenfalls die bevorzugten Plätze auf. Nach und nach steigt die Aggressivität, Artgenossen werden durch Ansingen, Flugjagden und Drohgebärden vertrieben. Die Reviere schwanken in der Größe zwischen 150 x 200 m und 200 x 250 m und Überlappungen sind nicht selten. Es handelt sich dabei oft um Nahrungs- oder Badeplätze. Der Nestbaubeginn liegt Mitte Mai. Legebeginn: Die meisten Eier werden Mitte bis Ende Mai gelegt. Die Variationsbreite der Gelegegröße reicht von 3 bis 7 Eiern, zumeist 5 und 6 Eier. Die Brutdauer variiert zwischen 12 und 15 Tagen. Die meisten Jungvögel schlüpfen in der Zeit von Ende Mai bis Mitte Juni. Die Nestlingszeit dauert 12 bis 13 Tage. Die Jungvögel halten sich nach Verlassen des Nestes noch kurze Zeit in dessen Nähe auf. Die Auflösung der Familienverbände erfolgt innerhalb von 20 bis 28 Tagen nach dem Ausfliegen der Jungen. Es findet in der Regel nur eine Jahresbrut statt. Die Nahrung besteht größtenteils aus Insekten, wobei bodenlebende Käfer ebenso wie fliegende Dipteren wie auch Raupen usw. von Pflanzen abgesammelt werden. Die Fluchtdistanz liegt bei 20 bis 40 m.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

In Deutschland weit verbreiteter, aber nicht häufiger und gefährdeter Brutvogel. In Rheinland-Pfalz mit deutlichem Schwerpunkt in den Mittelgebirgen, insbesondere im Westerwald.


Vorkommen in Vogelschutzgebieten:

5213-401 - Neunkhausener Plateau
5312-401 - Westerwald
5314-303 - NSG Krombachtalsperre
5409-401 - Ahrmündung
5412-401 - Westerwälder Seenplatte
5507-401 - Ahrgebirge
5807-401 - NSG Sangweiher und Erweiterung
6616-402 - Speyerer Wald, Nonnenwald und Bachauen zwischen Geinsheim und Hanhofen
6715-401 - Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen
6914-401 - Bienwald und Viehstrichwiesen


Gefährdungen:

Empfehlungen zum Schutz und zur Förderung der Art:

Literatur:

Bauer, H.-G. & P. Berthold (1996): Die Brutvögel Mitteleuropas – Bestand und Gefährdung. – Aula-Verlag, Wiesbaden.

Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Südbeck, P. & K. Witt (2002): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands (3. überarb. Fassung, 8.5.2002). – Berichte zum Vogelschutz 39: 13-60, Nürnberg.

Bay. Landesamt für Umweltschutz: Erhaltungsziele für die Arten der VS-RL: Braunkehlchen – Saxicola rubetra.

Beaman, M. & S. Madge (1998): Handbuch der Vogelbestimmung: Europa und Westpalaearktis. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Bezzel, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Passeres. – Aula-Verlag, Wies­baden.

Bezzel, E. (1995): BLV-Handbuch Vögel. – BLV, München.

Braun, M., Kunz, A. & L. Simon (im Druck): Rote Liste der Vögel in Rheinland-Pfalz.

Fahl,G., Fischer, K., Kunz, A. & M. Kunz (1998): Zur Bestandssituation des Braunkehlchens (Saxicola rubetra) im Westerwald (Rheinland-Pfalz). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz 8: 1031-1042, Landau.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands – Grundlagen für den Gebrauch vogelkundlicher Daten in der Landschaftsplanung. – IHW, Eching.

Hölzinger, J. (1999): Die Vögel Baden-Württembergs, Singvögel 1. – Ulmer Verlag, Stuttgart.

Kunz, A. & C. Dietzen (2002): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – eine aktuelle Artenliste (Stand 01.12.2002). – Fauna Flora Rheinland-Pfalz, Beiheft 28: 207-221, Landau.

Kunz, A. & L. Simon (1987): Die Vögel in Rheinland-Pfalz – Eine Übersicht. – Naturschutz und Ornithologie in Rheinland-Pfalz 4, 3: 353-657, Landau.

Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland (2002): Artensteckbriefe zu den Zielarten der Vogelschutzrichtlinie. – Frankfurt/M.


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Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.