Natura2000 FFH Artensteckbrief: Blauschillernder Feuerfalter



Steckbrief zur Art 4038 der FFH-Richtlinie

Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle)


Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle)

Gruppe: Schmetterlinge

Merkmale:

Der Blauschillernde Feuerfalter ist ein kleiner Falter aus der Familie der Bläulinge (Lycaenidae) mit einer Flügelspannweite von 2,4 bis 2,8 Zentimetern. Unverwechselbares Kennzeichen ist der Namen gebende Blau- bis Violettschimmer, der beim Männchen die gesamte Flügeloberseite überzieht, beim Weibchen dagegen nur stellenweise, vor allem an den Flügelrändern, auftritt.

Die Grundfärbung der Vorderflügeloberseite ist orange mit dunkelbraunen Rändern und Flecken. Die Farbverteilung bei den Hinterflügeln ist genau entgegen gesetzt braun mit orange gefärbten Rändern. Die orangefarbene Unterseite der Vorderflügel und bräunlichgraue der Hinterflügel zieren schwarze Flecken und weiße Halbmonde.

Die weißlich graue und später hellgrüne Raupe ist relativ dicht, fein und kurz behaart. Die zunächst porzellanfarbene Puppe bekommt mit der Zeit ein dunkles Punkt- und Streifenmuster. Auch schwarze Puppen kommen vor.


Lebensraum:

Lebensraum des Blauschillernden Feuerfalters sind blütenreiche Feuchtwiesen und deren Brachen mit ausreichend großen Beständen der Raupenfutterpflanze Wiesenknöterich (Bistorta officinalis), auch Schlangenknöterich genannt, und einem ausgeglichenen Kleinklima. Wiesenknöterich-Sumpfdotterblumenwiesen, Binsengesellschaften und Mädesüß-Hochstaudenfluren in kühlfeuchten Bachtälern, an Flüssen und Seen und Moore sind typische Habitate von Lycaena helle. Ein wesentlicher Bestandteil der Lebensräume sind Gehölze als Windschutz. Sonnige, windgeschützte Standorte in Gebüsch- oder Waldrandnähe oder auf Waldlichtungen werden bevorzugt besiedelt.


Biologie und Ökologie:

In unseren Regionen fliegen die Falter bei sonnigem Wetter von April bis Ende Juni.

Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten und nutzen gerne Sitzwarten auch außerhalb der Larvalhabitate. Die Eier werden einzeln an die Blattunterseiten des Wiesenknöterichs abgelegt. Nach 1-2 Wochen schlüpfen die Raupen, die zunächst an der Blattunterseite ein charakteristisches Muster (Schabefraß) fressen, wobei sie Mittel- und größere Seitenrippen übrig lassen. Mit fortschreitendem Alter nehmen die Raupen eine grüne Farbe an und fressen dann die ganzen Blätter. Im Herbst verpuppen sich die Tiere in der Streuschicht. Die Puppe überwintert angeheftet an Pflanzenmaterial bis zum darauf folgenden Jahr.

Das Flugareal der Falter ist eng begrenzt. Lycaena helle ist eine wenig mobile, standorttreue Falterart. Die Größe der Populationen ist je nach Flugstelle und Jahr erheblichen Schwankungen unterworfen, von nur wenigen Individuen in einer Kolonie bis zu hohen Populationsdichten.

Die Falter nutzen das jeweils verfügbare Blütenangebot zur Nektaraufnahme. Neben Wiesenknöterich werden Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) und Hahnenfußarten (Ranunculus repens und Ranunculus acris) genutzt.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Der Blauschillernde Feuerfalter ist eine boreale Art, die in Mitteleuropa nur lokal in weit zerstreuten kleinen Populationen vorkommt, dort jedoch oft in hoher Populationsdichte. Die rheinland-pfälzischen Vorkommen beschränken sich auf die Mittelgebirgsregionen von Westerwald und Eifel in Höhenlagen von ungefähr 400-600 Metern. Die Bestände der Art sind rückläufig.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5314-303 - NSG Krombachtalsperre
5314-304 - Feuchtgebiete und Heiden des Hohen Westerwaldes
5413-301 - Westerwälder Kuppenland
5605-306 - Obere Kyll und Kalkmulden der Nordeifel


Gefährdungen:

Entwässerung und Intensivierung der Bewirtschaftung von Feuchtgebieten sowie die Aufforstung oder der Umbruch von Feuchtgrünland führen zum Verschwinden des Wiesenknöterichs und zerstören beziehungsweise entwerten den Lebensraum des Blauschillernden Feuerfalters. Gleiches gilt für eine längerfristige Nichtnutzung von Flächen mit in Folge zunehmender Verbuschung und Bewaldung.

Ungünstig wirken sich fehlender Windschutz durch Gehölze und eine Isolation der Standorte durch Gehölzriegel aus. Die meist geringe Flächengröße der Lebensräume und die oft geringen Individuenzahlen verstärken die Gefährdungssituation.


Schutzmaßnahmen:

Vordringlichstes Erhaltungsziel ist der Schutz noch bekannter Vorkommen dieser Falterart sowie der Erhalt und eine an den Standort und die Ansprüche der Art angepasste Pflege von Feuchtwiesen mit ausreichenden Vorkommen des Wiesenknöterichs. Der Blauschillernde Feuerfalter kann durch eine extensive Bewirtschaftung und das Freistellen von stark verbuschten oder aufgeforsteten Standorten und die Entwicklung eines kleinräumigen Mosaiks unterschiedlicher Feuchtwiesenstadien mit besonnten Gehölzen gefördert werden. Um der Art eine ausreichende Entwicklungszeit zu gewährleisten, sollte eine Mahd nicht vor August erfolgen. Aufforstungen und Trockenlegungen von Feuchtwiesen sind zu vermeiden, ein beeinträchtigter Wasserhaushalt muss wiederhergestellt werden.


Links:

http://arten.deinfo.eu/elearning/tagfalter/speciesportrait/1759
www.schmetterlinge-westerwald.de
www.lepiforum.de/cgi-bin/lepiwiki.pl?Lycaena_Helle
www.schmetterling-raupe.de/art/helle.htm
www.eurobutterflies.com/species_pages/helle.htm
www.arthropods.de/insecta/lepidoptera/lycaenidae/lycaenaHelle01.htm
www.kolumbus.fi/silvonen/lnel/lyc/Lychelle.htm
www.euroleps.ch/seiten/s_art.php?art=lyc_helle
www.leps.it/indexjs.htm?SpeciesPages/LycaeHelle.htm
www.youtube.com/watch?v=CSwv-CTpu3c
www.tieroekologie.de/downloads/Steiner_et_al_2006.pdf
www.springerlink.com/content/jw15j5328vgr34g0/fulltext.pdf
www.univie.ac.at/population-ecology/people/kf/diploma%20theses/adonner.htm


Literatur:

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Copyright LfU - Stand: 14.10.2014
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.