Natura2000 FFH Artensteckbrief: Scheidenblütgras



Steckbrief zur Art 1887 der FFH-Richtlinie

Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis)


Gruppe: Pflanzen

Merkmale:

Das Scheidenblütgras ist eines unserer kleinsten Gräser. Die Halme des einjährigen Süßgrases werden etwa 3 bis 8 cm lang. Da sie überwiegend dem schlammigen Boden aufliegen, erreicht die Pflanze nur eine Höhe von bis zu 6 Zentimetern.

Auffallend sind die breiten, bauchigen Blattscheiden. Die Blütenrispe besteht aus mehreren kugelig-büscheligen Ährchengruppen.


Lebensraum:

Lebensraum des Scheidenblütgrases sind kalkarme, mäßig saure, gut durchnässte Schlammböden trockengefallener Fluss- und Teichufer oder Schlammufer abgelassener Stauseen.


Biologie und Ökologie:

Coleanthus subtilis ist pflanzensoziologisch vor allem der Zypergras-Schlammkraut-Gesellschaft (Cypero-Limoselletum) zuzuordnen. Typische Begleitpflanzen dieser sehr kurzlebigen Zwergbinsengesellschaften sind Arten wie Schlammkraut (Limosella aquatica), Eiförmige Sumpfbinse (Eleocharis ovata) oder Strandling (Littorella uniflora).

Coleanthus subtilis vermehrt sich ausschließlich über Samen. In Abhängigkeit vom Wasserstand keimt das Gras bereits während oder unmittelbar nach dem Trockenfallen und schließt seine Entwicklung innerhalb weniger Wochen ab. Unter günstigen Voraussetzungen keimt das Scheidenblütgras bereits wieder im Herbst und überdauert den Winter.

Hauptblütezeit ist August bis Oktober. Die Pflanze bildet eine große Anzahl Samen aus, die über 20 Jahre keimfähig im Boden überdauern können. Dies befähigt die Art, sich unter günstigen Bedingungen aus der Samenbank im Boden zu regenerieren, auch wenn das Gras zuvor jahrelang an bekannten Standorten fehlte.

Die Verbreitung erfolgt anscheinend sowohl durch Verdriftung im Wasser als auch durch Wasser- und Watvögel.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Das Scheidenblütgras ist eine in Eurasien beheimatete sehr seltene Art, deren Verbreitungsgebiet aus wenigen isolierten Teilarealen besteht. In Deutschland sind aktuelle Vorkommen in Sachsen und Sachsen-Anhalt nachgewiesen.

In Rheinland-Pfalz konnte die Art an ihrem Wuchsort im Westerwald nach dem letzten gesicherten Nachweis aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr gefunden werden. Wegen der langjährigen Keimfähigkeit der Samen ist ein Wiederauftreten der Art nicht ausgeschlossen.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5412-301 - Westerwälder Seenplatte


Gefährdungen:

Das Scheidenblütgras reagiert empfindlich sowohl auf Überflutung als auch Austrocknung seines Lebensraums. Damit die Samen keimen können, ist ein periodisches Trockenfallen des Gewässers erforderlich.

Eine Gefährdung für die Art entsteht also hauptsächlich infolge Nutzungsänderungen im Bereich auch potenzieller Vorkommen beziehungsweise Änderungen in der Wasserführung. Weitere Gefährdungsursachen sind die Eutrophierung sowie das Zuwachsen des Lebensraumes und die Verdrängung durch konkurrenzstärkere Arten.


Schutzmaßnahmen:

Entscheidende Maßnahmen zum Erhalt des Scheidenblütgrases sind in der Sicherung geeigneter Standortverhältnisse mit periodischen Überflutungen und geringer Konkurrenz durch andere Pflanzen an den Wuchsorten gegeben.


Links:

http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/~stueber/thome/band1/tafel_089.html
http://www.hlasek.com/coleanthus_subtilis_6395.html
www.blumeninschwaben.de/Einkeimblaettrige/Suessgraeser/coleanthus.htm
http://botany.cz/cs/coleanthus-subtilis/
www.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/8428/Dissertation_HenrietteJohn_Coleanthus_Sachsen.pdf


Literatur:

Bernhardt, K.-G. (2005): Das Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis), eine im Boden verborgene botanische Kostbarkeit. Pulsatilla - Zeitschrift des Bundesfachausschusses Botanik 8: 49-53.

Gunnemann, H. (2001): Scheidenblütgras (Coleanthus subtilis) und Kleefarn (Marsilea quadrifolia). In: Fartmann, T.; Gunnemann, H.; Salm, P.; Schröder, E.: Berichtspflichten in Natura 2000-Gebieten. Angewandte Landschaftsökologie 42: 93-99.

John, H. (2011): Vegetationsökologie und -historie als Basis für nachhaltigen Artenschutz am Beispiel des Scheidenblütgrases (Coleanthus subtilis). Artenschutzreport 27: 7-11.

Petersen, B.; Ellwanger, G.; Biewald, G.; Hauke, U.; Ludwig, G.; Pretscher, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.1: Pflanzen und Wirbellose. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/1. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 71-75.

Roscher, K. (2001): Bewertung des Zustandes und des Entwicklungspotentials der europaweit besonders schutzwürdigen Vorkommen des Scheidenblütgrases (Coleanthes subtilis) und der Strandlingsgesellschaft Littorelletea uniflorae in den Teichen der Revierwasserlaufanstalt Freiberg (RWA). Diplomarbeit, FB Landbau/Landespflege, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH). 80 pp., Anlagen.

Sebald, O.; Seybold, S.; Philippi, G.; Wörz, A. (Hrsg.) (1998): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 7: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Alismatidae, Liliidae Teil 1, Commelinidae Teil 1), Butomaceae bis Poaceae. Ulmer. Stuttgart. 595 pp.

Woike, S. (1963): Coleanthus subitlis (Tratt.) Seidl auch in Westdeutschland. Hessische Floristische Briefe 12(142): 54-56.

Woike, S. (1969): Beitrag zum Vorkommen von Coleanthus subtilis (Tratt.) Seidl (Feines Scheidenblütgras) in Europa. Folia geobot. phytotax. 4: 401-413.


Copyright LfU - Stand: 08.07.2014
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.