Natura2000 FFH Artensteckbrief: Kugel-Hornmoos



Steckbrief zur Art 1396 der FFH-Richtlinie

Kugel-Hornmoos (Notothylas orbicularis)


Gruppe: Pflanzen

Merkmale:

Notothylas orbicularis ist ein 4-12 Millimeter großes gelbgrünes, rosettenförmiges Lebermoos.


Lebensraum:

Die wärmeliebende und kalkmeidende Art besiedelt vegetationsfreie, lehmig bis tonige Störstellen in extensiv bewirtschafteten Ackerfluren sowie offene Böden an Fluss- und Seeufern. Als Begleitpflanze in Getreideäckern besiedelt sie in Deutschland überwiegend Stoppeläcker.


Biologie und Ökologie:

Das Kugel-Hornmoos ist einjährig und lebt in Symbiose mit Blaualgen. Die großen Sporen reifen im Herbst zwischen September und Oktober. Die Art ist starken jährlichen Populationsschwankungen unterworfen. Sie kann in nassen Jahren große Dichten erreichen, in trockenen Jahren dagegen ganz ausbleiben.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Das vor allem in Nordamerika verbreitete Kugel-Hornmoos ist ausgesprochen selten. In Europa besitzt es seinen Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland. Sein Vorkommen ist in Mitteleuropa auf die Hügel- und Berglagen beschränkt.

Rheinland-Pfalz und Hessen beherbergen die einzigen aktuellen deutschen Vorkommen. In Rheinland-Pfalz sind derzeit nur 2 Wuchsorte im Westerwald mit etwa 1300 Exemplaren bekannt.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5312-301 - Unterwesterwald bei Herschbach
5313-301 - Ackerflur bei Alpenrod


Gefährdungen:

Notothylas orbicularis ist vor allem durch Änderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung gefährdet, wenn geeignete Ackerflächen als Lebensraum verloren gehen. Durch die Stilllegung von Ackerflächen und zunehmende Sukzession, die Umwandlung des Lebensraumes in Grünland, das schnelle Umbrechen von Stoppeläckern sowie Gründüngung und Zwischenfruchtanbau verschwindet die Art.


Schutzmaßnahmen:

Zum Schutz dieses sehr seltenen Lebermooses ist der Erhalt und die Extensivierung ausreichender Ackerflächen in bekannten und geeigneten Vorkommensbereichen (Westerwald) erforderlich. Der Umbruch der Stoppeläcker sollte frühestens ab November und wenn möglich erst im Frühjahr erfolgen, damit eine Vermehrung durch Sporen erfolgen kann.


Links:

http://rips-dienste.lubw.baden-wuerttemberg.de
http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2006/3303/original/BR86.pdf
www.jan-peter-frahm.de/Archive/Archive%2083.pdf
www.hessen-forst.de/kugelhornmoos_notothylas_orbicularis.pdf


Literatur:

Fischer, E.; Killmann, D.; Buchbender, V. (2008): Zum Status von Notothylas orbicularis und Anthoceros neesii (Anthocerotopsida) im Westerwald/Rheinland-Pfalz. Decheniana 161: 33-39.

Frahm-Jaudes, E.; Kuprian, M.; Drehwald, U.; Ernst, M.; Schönfeld, J.; Rudolf, M.; Zeh, H.; Preusche, K.; Busse, J. (2011): Artenschutz auf Äckern: das Kugel-Hornmoos (Notothylas orbicularis) in Hessen - Schutzkonzept und erste Monitoringergebnisse. Jahrbuch Naturschutz in Hessen 14. 2011/2012: 26-31.

Manzke, W. (2006): Das Kugel-Hornmoos (Notothylas orbicularis) im Vogelberg (Hessen). Verbreitung, Ökologie, Gefährdung, Forschungsbedarf. Limprichtia 29: 57-88.

Manzke, W.; Börner, D.; Wentzel, M. (2011): Notothylas orbicularis in Hessen: das von den Umweltbehörden deklarierte Schutzgebiet "Kugelhornmoosflächen im Vogelsberg" (FFH-Gebiet 5521-303) ist eine umweltpolitische Mogelpackung. Archive for Bryology 83. 13 pp.

Petersen, B.; Ellwanger, G.; Biewald, G.; Hauke, U.; Ludwig, G.; Pretscher, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.1: Pflanzen und Wirbellose. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/1. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 287-293.


Copyright LfU - Stand: 07.07.2014
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.