Natura2000 FFH Artensteckbrief: Teichfledermaus



Steckbrief zur Art 1318 der FFH-Richtlinie

Teichfledermaus (Myotis dasycneme)


Gruppe: Säugetiere

Merkmale:

Die Teichfledermaus ist eine mittelgroße Fledermaus mit einer Körperlänge von ca. 6-7 cm und vergleichsweise kurzen Ohren. Die Spannweite der breiten Flügel beträgt 20-30 cm. Ihr Körpergewicht liegt bei 14 bis 20 g.

Das Rückenfell ist braun bis graubraun, das Gesicht rötlichbraun. Das grau- bis gelblichweiße Bauchfell setzt sich deutlich vom dunklen Rücken ab.

Teichfledermäuse können ein Lebensalter von 20 Jahren erreichen.


Lebensraum:

Die Teichfledermaus ist auf gewässerreiche, halboffene Landschaften angewiesen. Sie jagt über großen stehenden oder langsam fließenden Gewässern, kann aber auch an Waldrändern und über Wiesen angetroffen werden. Ihre Nahrungsbiotope liegen bis zu 10-15 km von den Quartieren entfernt..

Wochenstubenquartiere befinden sich in und an alten Gebäuden, vorzugsweise in Kirchtürmen oder Dachstühlen. Offensichtlich werden stark wärmebegünstigte Dachräume bevorzugt aufgesucht.

Baumhöhlen in Gewässernähe dienen der Balz.

Die Teichfledermaus überwintert einzeln oder in kleinen Gruppen, frei an Decken oder Wänden hängend, in unterirdischen Höhlen, Stollen, Kellern oder ehemaligen militärische Befestigungsanlagen. Diese müssen frostfrei sein und Temperaturen zwischen 1° und 8°C sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit aufweisen .

Beim Wechsel vom Sommer- zum Winterquartier legen die Tiere größere Strecken von 100 bis über 300 Kilometer zurück.


Biologie und Ökologie:

Die Teichfledermaus weist eine hohe Standorttreue bezüglich Winter- und Sommerquartier auf.

Die bis zu über dreihundert Tiere zählenden Wochenstuben werden Ende März bis Mitte April bezogen.

Im Alter von zwei Jahren gebären die Weibchen in der ersten Junihälfte ein einziges Junges, selten auch einmal Zwillinge. Die Jungtiere sind nach etwa vier bis fünf Wochen flugfähig.

Bis Anfang September werden die Wochenstubenquartiere wieder verlassen. Spätestens im Dezember treffen die Tiere dann in den Winterquartieren ein, in denen sie bis März bleiben.

Die Teichfledermaus ernährt sich von Insekten, hauptsächlich von  Zuckmücken und Köcherfliegen, die sie über oder auf der Wasseroberfläche absammelt. Schmetterlinge und Käfer werden seltener gefressen. Mit ungefähr 35 km/h jagt das Tier in 10 bis 60 cm Höhe in weiten Bögen über die Wasserflächen. Sie fängt die Beute mit ihren Füßen oder mit den Membranen der Flügel- oder Schwanzhäute. Da die Art an relativ kühles und feuchtes Klima angepasst ist, wird sie auch bei niedrigen Temperaturen (bis gegen 0°C und bei Regen) jagend angetroffen.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

In Rheinland-Pfalz konzentrieren sich die Nachweise auf Eifel, mittlere Mosel und Hunsrück. Diese betreffen seltene Sommerbeobachtungen einzelner Tiere und vor allem regelmäßige Winternachweise. Wochenstuben sind nicht bekannt.

Größere Vorkommen von Teichfledermäusen gibt es unter anderem in Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden. Wochenstuben existieren vor allem in den Niederlanden und in Norddeutschland.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5609-301 - Unterirdische stillgelegte Basaltgruben Mayen und Niedermendig
5706-303 - Gerolsteiner Kalkeifel
5805-302 - Birresborner Eishöhlen und Vulkan Kalem
6008-301 - Kautenbachtal
6008-302 - Tiefenbachtal
6009-301 - Ahringsbachtal
6107-301 - Frohnbachtal bei Hirzlei
6108-301 - Dhronhänge
6206-301 - Fellerbachtal
6212-302 - Moschellandsberg bei Obermoschel
6305-301 - Wiltinger Wald


Gefährdungen:

Gefährdungen entstehen vor allem durch den Verlust geeigneter Quartiere. Wochenstuben- und Balzquartiere werden durch Renovierungsmaßnahmen und im Wald durch die Entfernung von Alt- und Totholz unbrauchbar.

Empfindlich reagieren die Tiere auf Störungen in den Quartieren und auf für Fledermäuse giftige Substanzen (Holzschutzmittel, Pestizide).

Bauliche Maßnahmen im Jagdgebiet und an den Gewässern führen zu Barrierewirkungen, Nahrungs- und Lebensraumverlust.


Schutzmaßnahmen:

Vordringlich sind die Sicherung von Quartieren, insbesondere in und an Gebäuden und der Erhalt von Höhlenbäumen in Gewässernähe. Störungsfreiheit von Sommer- und Winterquartieren sowie der Erhalt und die Entwicklung naturnaher Gewässer mit geeigneten Strukturen tragen zum Schutz der Teichfledermaus bei. Bei baulichen Eingriffen müssen die bekannten Lebensräume und Flugrouten Berücksichtigung finden.


Links:

Fotogalerie/Fledermause_Spezial/Teichfledermaus/teichfledermaus.html
www.eurobats.org/about_eurobats/protected_bat_species/myotis_dasycneme
www.arkive.org/pond-bat/myotis-dasycneme/


Literatur:

Encarnação, J. A.; Becker, N. I. (2014): Schlüsselarten für verantwortungsvollen Fledermausschutz in Deutschland - vergleichende Einschätzung anhand Gefährdung, Habitatanspruch und Ausbreitungspotential. Säugetierkundliche Informationen 9(48): 201-222.

Horn, J. (2012): Neue Erkenntnisse zur Quartierwahl und zum Jagdverhalten der Teichfledermaus (Myotis dasycneme) im Nationalpark "Unteres Odertal" (Land Brandenburg). Nyctalus 17(1/2): 30-45. 

Limpens, H.-J.G.A.; Lina, P.-H.C.; Hutson, A.-M. (1999): Draft Action Plan for Conservation of the Pond Bat (Myotis dasycneme) in Europe. Report to the Council of Europe. T-PVS (99). 12.

Petersen, B.; Ellwanger, G.; Bless, R.; Boye, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2004): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/2. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 482-488.

Sluiter, J. W.; van Heerdt, P. F.; Voute, A. M. (1971): Contribution to the population biology of the pond bat, Myotis dasycneme (Boie 1825). Decheniana Beihefte 18: 1-44.


Copyright LfU - Stand: 19.01.2015
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.