Natura2000 FFH Artensteckbrief: Steinbeißer



Steckbrief zur Art 1149 der FFH-Richtlinie

Steinbeißer (Cobitis taenia)


Steinbeißer (Cobitis taenia)

Gruppe: Fische und Rundmäuler

Merkmale:

Der Steinbeißer, auch Dorngrundel genannt, ist ein Kleinfisch aus der Familie der Dornschmerlen. Er wird 8-10 Zentimeter lang, die Weibchen auch einmal bis zu 12 Zentimeter. Kopf und Körper sind langgestreckt. Der Rücken ist von gelbbrauner Grundfarbe, dabei in Längsstreifen auffallend dunkel gefleckt und marmoriert. Seine beschuppte Bauchseite ist blassgelb bis orange gefärbt. Eine Reihe größerer dunkler Flecken verläuft unterhalb der Seitenmitte. Am Maul sitzen 6 kurze Barteln. Unter den Augen befindet sich jeweils ein zweispitziger, aktiv beweglicher Dorn, der gewöhnlich verborgen bleibt, mit dem das Tier aber schmerzhafte Stiche zufügen kann.

Steinbeißer-Larven besitzen fadenförmige Außenkiemen.


Lebensraum:

Der Steinbeißer besiedelt flache, langsam fließende und stehende Gewässer der Niederungen mit vorzugsweise sandigen Substraten. Die Ansprüche an die Beschaffenheit des Gewässerbodens sind hoch. Bevorzugt wird Sand mit Korngrößen von 0,1 - 1,0 Millimetern und einem gewissen Anteil an feinen, organischen Beimengungen. Der Boden muss so locker sein, dass sich das Tier mühelos in Sekundenschnelle eingraben kann. Im Hinblick auf die Wasserqualität scheint diese Art dagegen vergleichsweise tolerant zu sein. Die idealen Wassertemperaturen liegen um 15°C.


Biologie und Ökologie:

Der Steinbeißer ist ein stationär und versteckt lebender, nachtaktiver Bodenfisch. Er verbringt den Tag eingegraben im Sand, nur Augen und Oberlippe sind sichtbar. Erst in der Dämmerung wird er aktiv. Die Tiere ernähren sich nachts von kleinen Wasserorganismen und Schwebstoffen. Sie gewinnen diese Nahrung, indem sie die oberste Bodenschicht "durchkauen", daher der Name Steinbeißer. Die nicht verwertbaren Teile des mit dem Maul aufgesaugten Bodenmaterials werden durch die Kiemen wieder ausgestoßen.

Sauerstoffarme Zeiten überbrückt der Steinbeißer mit Hilfe von Darmatmung. An der Wasseroberfläche wird Luft geschluckt, im Enddarm wird der Sauerstoff entzogen, die verbrauchte Luft wird durch den After wieder ausgeschieden.

Als weitere Besonderheit unter den einheimischen Fischarten besitzt der Steinbeißer die Fähigkeit zur Gynogenese, einer Form der asexuellen Fortpflanzung. Dabei werden Klone erzeugt, die dem Muttertier genetisch völlig gleichen. Allerdings sind dazu nur sogenannte "Hybridweibchen" in der Lage. Diese wiederum können nur entstehen, wenn verschiedene Steinbeißerarten aufeinandertreffen und sich paaren. Aus den Eizellen solcher „Hybridweibchen“ können sich asexuell neue Fische entwickeln. In unseren Gewässern ist dies jedoch nicht der Fall, da hier nur eine Steinbeißerart vorkommt.

Laichzeit der Steinbeißer ist von April bis Juni bei Wassertemperaturen ab 18°C. Von jedem Weibchen werden bis über 1000 klebrige, gelbliche Eier portionsweise an flachen, strömungsberuhigten Stellen abgelegt. Bis zu 18 Gelege pro Weibchen sind nachgewiesen. Wenige Tage später schlüpfen die Larven.

In Freiheit wird der Steinbeißer 3 bis 5 Jahre alt. Im Alter von 2 - 3 Jahren erreichen die Tiere die Geschlechtsreife, Männchen ein Jahr früher als Weibchen.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Der Schwerpunkt der Verbreitung des Steinbeißers in Deutschland liegt in der Norddeutschen Tiefebene. Hauptverbreitungsgebiet in Rheinland-Pfalz sind die Gewässer der oberrheinischen Tiefebene, vor allem der Rhein mit seinen Auengewässern. Vereinzelt wurde diese sehr seltene Art auch in der Mosel nachgewiesen. Der Steinbeißer hat in den letzten zehn Jahren insbesondere in den Rheinaltarmen eine rasante Populationsentwicklung erfahren; sein Vorkommen wird nunmehr als „gefährdet“ (1997 vom Aussterben bedroht) angesehen.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5908-301 - Mosel
5914-303 - Rheinniederung Mainz-Bingen
6616-304 - Rheinniederung Speyer-Ludwigshafen
6716-301 - Rheinniederung Germersheim-Speyer
6816-301 - Hördter Rheinaue
6915-301 - Rheinniederung Neuburg-Wörth


Gefährdungen:

Die Hauptgefährdungsursache des Steinbeißers wird in der Wasserverschmutzung und der Vernichtung oder Ausräumung von Kleingewässern gesehen. Da dieser Fisch nur feinsandige Substrate besiedeln kann, ist er gegenüber allen Ausbaumaßnahmen, die grobe Substrate in das Gewässerbett oder den Gewässerrand einbringen, besonders empfindlich. Werden im Rahmen von Gewässersicherungsmaßnahmen die sandigen Bereiche von Uferabbrüchen befestigt, kommt es zu erheblichen Zielkonflikten zwischen Gewässersicherung und Lebensraumerhalt.

Verhindern Querbauwerke die Durchgängigkeit von Fließgewässern, hat der Steinbeißer keine Möglichkeit, sich auszubreiten.

Auch ein Überbesatz mit Aalen führt zu Beeinträchtigungen.


Schutzmaßnahmen:

Alle bekannten Vorkommen des Steinbeißers sollten in Schutzgebieten gesichert werden. Nährstoffeintrag, der sich beispielsweise durch Verschlammung negativ auf die Laichsubstrate auswirken kann, sowie ein erhöhter Besatz mit Raubfischen, vor allem dem Aal, sollten vermieden werden.

Bei Gewässerunterhaltungs, - sicherungs- und -ausbaumaßnahmen sollte in besonderem Maße auf die sandigen Bereiche in einem Fließgewässer Rücksicht genommen werden, da für den Steinbeißer geeignete Abschnitte in den Mittelgebirgsbächen vergleichsweise selten sind. Die Durchgängigkeit zwischen dem Rhein und den ihm zufließenden Bächen sollte sichergestellt werden.


Links:

www.loaches.com/species-index/photos/c/cobitis_taenia_01.jpg/view
www.arkive.org/spined-loach/cobitis-taenia/
www.hessen-forst.de/download.php?file=uploads/fena/download/
www.joerg-bohlen.de/Publications/pdf-files/Dissertation.PDF
www.luwg.rlp.de/Aufgaben/Naturschutz/Arten-und-Biotopschutz/Artenschutzprojekte/binarywriterservlet
www.rana-internet.de/media/RANA11_Brandt.pdf
www.fischartenatlas.de/cms2.0/index.php
www.luontoportti.com/suomi/de/kalat/steinbeisser


Literatur:

Bohlen, J. (2003): Untersuchungen zur Autökologie des Steinbeißers, Cobitis taenia. Doktorarbeit an der Universität Berlin. 72 pp., Anhang.

Brunken, H.; Hein, M.; Klugkist, H. (2012): Auswirkungen ökologischer Grabenräumung auf Fische und die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis) in Bremer Natura-2000-Gebieten. Natur und Landschaft 87(8): 370-375.

Gaumert, D. (1981): Süßwasserfische in Niedersachsen. Arten und Verbreitung als Grundlage für den Fischartenschutz. Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Hannover (Hrsg.). 134 pp.

Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt Thüringen (Hrsg.) (1996): Fische in Thüringen. Die Verbreitung der Fische, Rundmäuler, Krebse und Muscheln in Thüringen. 118 pp.

Ministerium für Raumordnung, Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalt (Hrsg.) (1997): Die Fischfauna von Sachsen-Anhalt. 180 pp.

Pelz, G. R.; Brenner, T. (Bearb.) (2000): Fische und Fischerei in Rheinland-Pfalz. Bestandsaufnahme, fischereiliche Nutzung, Fischartenschutz. Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz, Mainz (Hrsg.). 258 pp. Ergänzungsheft (2003). 14 pp.

Petersen, B.; Ellwanger, G.; Bless, R.; Boye, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2004): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/2. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 239-243.

Scholle, J.; Schuchardt, B.; Brandt, T. (2003): Schlammpeitzger und Steinbeißer im Grabensystem des Bremer Feuchtgrünlandringes. Verbreitung und Ökologie zweier FFH-Fischarten. Naturschutz und Landschaftsplanung 35(12): 364-372.

Tatenhorst, L.; Kaschek, N.; Meyer, E. I. (2002): Der Steinbeißer (Cobitis taenia L.). Aspekte zur Ökologie einer bedrohten Art. Schüling Verlag Münster. 133 pp.

Weibel, U. (Bearb.) (2002): Verbreitung von Bitterling, Schlammpeitzger und Steinbeißer in Rheinland-Pfalz. Institut für Umweltstudien Weisser und Ness, Kandel im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz, Oppenheim. 17 pp., Anhang.


Copyright LfU - Stand: 20.01.2014
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.