Natura2000 FFH Artensteckbrief: Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer



Steckbrief zur Art 1082 der FFH-Richtlinie

Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer (Graphoderus bilineatus)


Gruppe: Käfer

Merkmale:

Der dunkelbraune Tauchkäfer Graphoderus bilineatus erreicht eine Größe von etwa 1,5 cm. Durch seinen flachen, etwas breiteren Körperbau und eine sehr breite, gelbe Binde auf dem Halsschild ist er deutlich von allen anderen Vertretern seiner Gattung zu unterscheiden. Die Mittel- und Hinterbeine sind als Schwimmbeine ausgebildet und werden zur Fortbewegung paarweise im Gleichtakt bewegt.


Lebensraum:

Der Schmalbindige Breitflügel-Tauchkäfer besiedelt fast ausschließlich große und dauerhaft wasserführende Seen und Teiche im Binnenland, häufig in Wald- oder Moorgebieten. Dabei spielt es offenbar keine Rolle, ob diese auf natürliche Weise oder durch menschliche Aktivitäten entstanden sind. Die Brutgewässer sollten aber auf einer größeren Fläche nur maximal einen Meter tief sein. Dichter Pflanzenwuchs an den Ufern und in den Flachwasserzonen ist charakteristisch für seinen Lebensraum, aber auch ausgedehnte flache, besonnte Uferabschnitte mit Torfmoos-Beständen und Kleinseggenrieden sind wichtig. Saubere, flache Klar- und Braunwasserseen oder torfige Gewässer (Gewässer mit hohem Huminsäuren-Gehalt) werden bevorzugt. Der Käfer konnte in größeren Kesselmooren, Torfstichen, Kies- und Kohlegrubengewässern und Lobelia-Seen nachgewiesen werden. Häufig kommt er gemeinsam mit dem Breitrand (Dytiscus latissimus) im gleichen Lebensraum vor. Kleine, isoliert liegende stehende Gewässer in intensiv genutzten Agrargebieten erfüllen nicht die Bedingungen, die für seine Fortpflanzung notwendig sind.


Biologie und Ökologie:

Es ist bekannt, dass der Schmalbindige Breitflügel-Tauchkäfer räuberisch lebt. Über seine Ernährung können darüber hinaus nur Vermutungen angestellt werden. Offenbar frisst er Kleinkrebse, Larven von Eintagsfliegen, Zuckmücken und deren Larven und möglicherweise pflanzliches Plankton. Die Larven ernähren sich wahrscheinlich speziell von planktonischen Kleinkrebsen nahe der Wasseroberfläche.

Die erwachsenen Käfer halten sich bevorzugt in Flachwasserzonen mit dichter, sich über den Wasserspiegel erhebender Vegetation (z. B. Torfmoos, Seggen) auf. Wie alle anderen Schwimmkäfer taucht der Breitflügel-Tauchkäfer zur Erneuerung seines Luftvorrats unter den Flügeldecken regelmäßig auf.

Die Entwicklung vom Ei über die Larve zur Puppe erfolgt zwischen Mai und Oktober und dauert 2 bis 2,5 Monate. Die zylindrischen, ungefähr 2 mm langen weißlichen Eier werden in kleinen Gruppen oberhalb des Wassers in Blütenstiele der Wasserfeder (Hottonia palustris) und wohl auch andere luftgefüllte Pflanzenteile gelegt. Nach ungefähr zwei Wochen schlüpfen die Larven. Einzelheiten über die Larvalentwicklung sind noch weitgehend unbekannt. Beobachtungen lassen darauf schließen, dass sich die Larven an ähnlichen Orten wie die Käfer aufhalten. Wie die Larven anderer größerer Wasserkäfer taucht auch die Larve von Graphoderus bilineatus regelmäßig auf, um ihrem Luftvorrat zu erneuern. Sie verpuppt sich nach einer Ruhepause in einer Erdhöhle unter Moosen, Hölzern oder Steinen an Land. Die Puppenruhe dauert ungefähr zehn Tage. Der fertige Käfer verlässt die Puppenwiege im Spätsommer oder Herbst. In den Sommermonaten unternehmen die Käfer nächtliche Schwarmflüge auf der Suche nach neuen Gewässern und können dabei beträchtliche Strecken zurücklegen. Ob der Breitflügel-Tauchkäfer an Land oder im Wasser überwintert ist ungeklärt.

Die adulten Tiere werden wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen älter als ein Jahr.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Noch Mitte des 20. Jahrhunderts war der Schmalbindige Breitflügel-Tauchkäfer in Deutschland weit verbreitet, im Süden und Westen etwas seltener. Die Kenntnisse über seine heutige Verbreitung sind sehr lückenhaft. In Rheinland-Pfalz konnte nur ein einziger Fund südlich von Wörth bestätigt werden.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

6915-301 - Rheinniederung Neuburg-Wörth


Gefährdungen:

Eine wesentliche Gefährdungsursache ist der Verlust geeigneter nährstoffarmer Lebensräume. Eine hohe Empfindlichkeit besteht gegenüber Nährstoffeintrag, Beschattung der Brutgewässer, Fischbesatz und künstlich erhöhtem Bestand an Wasservögeln.


Schutzmaßnahmen:

Differenziertere Aussagen zu Schutzmaßnahmen sind wegen der unzureichenden Kenntnisse der Ansprüche, Biologie und Gefährdungsursachen dieser Art nur beschränkt möglich. Die Sanierung von eutrophierten Gewässern und eine Reduzierung des Fischbesatzes sind wohl die wesentlichen Maßnahmen zu Sicherung dieser Art. Pufferzonen an geeigneten Gewässerlebensräumen können zur Verminderung von Schadstoffeinträgen beitragen.


Links:

www.entomologie.de/fotos/grapbili.htm
http://flickr.com/photos 
www.hlasek.com/graphoderus_bilineatus_ak0285.html
www.arkive.org/water-beetle/graphoderus-bilineatus/
www.hydrobiologie.com/Graphoderus.pdf
www.hessen-forst.de/download.php/graphoderus_bilineatus.pdf


Literatur:

Entomologen-Vereinigung Sachsen-Anhalt e.V. (Hrsg.) (2000): Zur Bestandssituation wirbelloser Arten nach Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie im Land Sachsen-Anhalt. Entomol. Mitt. Sachsen-Anhalt. Sonderheft 2000. 62 pp.

Hendrich, L.; Balke, M. (2000): Verbreitung, Habitatbindung, Gefährdung und mögliche Schutzmaßnahmen der FFH-Arten Dytiscus latissimus Linnaeus, 1758 (Der Breitrand) und Graphoderus bilineatus (De Geer, 1774) in Deutschland (Coleoptera: Dytiscidae). Insecta 6: 98-114.

Hendrich, L.; Balke, M. (2002): Breitrand (Dytiscus latissimus) und Schmalbindiger Breitflügel-Tauchkäfer (Graphoderus bilineatus). In: Fartmann, T.; Gunnemann, H.; Salm, P.; Schröder, E.: Berichtspflichten in Natura 2000-Gebieten. Angewandte Landschaftsökologie 42: 301-305.

Petersen, B.; Ellwanger, G.; Biewald, G.; Hauke, U.; Ludwig, G.; Pretscher, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.1: Pflanzen und Wirbellose. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/1. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 388-396.


Copyright LfU - Stand: 31.01.2014
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.