Natura2000 FFH Artensteckbrief: Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer



Steckbrief zur Art 1079 der FFH-Richtlinie

Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus)


Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus)

Gruppe: Käfer

Merkmale:

Schnellkäfer verdanken ihren Namen einer hörbaren Eigenschaft. Liegt ein Tier auf dem Rücken, versucht es, durch ruckartiges, klickendes Zusammenklappen und Hochschnellen wieder in die aufrechte Position zu gelangen.

Der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer ist ungefähr 10-12 mm groß und glänzend schwarz bis blau-violett gefärbt.


Lebensraum:

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand lebt der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer in urwaldähnlichen, sehr alten, historischen Wäldern der Ebenen und niedrigen Lagen mit Beständen alter Buchen, Eschen, Ulmen oder auch Eichen.


Biologie und Ökologie:

Limoniscus violaceus gehört zu den Faulholz und Mulm bewohnenden Insektenarten. Er braucht zur Entwicklung alte Laubbäume, vorzugsweise Buchen, deren Stammfuß bis zum Boden hinunter hohl und mit gut durchfeuchtetem Mulm ausgefüllt sein muss.

Das Weibchen legt seine Eier in Spalten und Risse im Kernholz innerhalb der Baumhöhle ab. Die Larven leben nahe am Boden und brauchen Verpuppungsmöglichkeiten auch unter der Bodenoberfläche. Ihre Entwicklungszeit dauert zwei Jahre. Im Sommer des zweiten Jahres verwandelt sich die Larve über das Puppenstadium zum erwachsenen Insekt. Bis zum darauf folgenden Frühling bleibt der Käfer jedoch noch in der Puppenwiege.

Zeitweise verlassen die Tiere auch ihre Baumhöhlen. Einzelne Exemplare können vor allem im Mai und Juni an warmen Spätnachmittagen und in der Abenddämmerung in der nächsten Umgebung des Brutbaumes angetroffen werden. Insgesamt scheint die Art sehr ortstreu zu sein.

Man nimmt an, dass sich der adulte Käfer von lebenden und toten Insekten innerhalb des Mulms ernährt. Die Larve frisst außerdem totes Holz oder welke Blätter.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer kommt weltweit nur in Europa und auch hier nur extrem selten vor. In Deutschland sind nach 1990 nur etwa 10 Fundorte bekannt.

Im Jahr 1821 beschrieb Pfarrer W. Müller aus Odenbach / Glan diese Käferart nach einem um 1800 bei Meisenheim gefangenen Tier. Der erste Fundort dieser Käferspecies befindet sich somit in Rheinland-Pfalz. Aktuell existiert ein Nachweis aus dem „Urwald bei Taben“ im FFH-Gebiet Serriger Bachtal.

Limoniscus violaceus lebt oft zusammen mit dem Bluthals-Schnellkäfer (Ischnodes sanguinicollis), von dem aus Rheinland-Pfalz einige aktuellere Funde bekannt sind. An diesen Fundstellen könnte auch Limoniscus violaceus vorkommen.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

6405-303 - Serriger Bachtal und Leuk und Saar


Gefährdungen:

Der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer zählt zu den am stärksten gefährdeten Tierarten Europas. Wegen seiner geringen Mobilität und der hohen Spezialisierung auf kaum noch vorhandene sehr alte Waldgebiete beinhaltet allein die Isolation der Vorkommen ein hohes Risiko. Besonders gefährdet sind die Tiere durch forstwirtschaftliche Maßnahmen mit Entnahme geeigneter Brutbäume in (auch potenziellen) Vorkommengebieten.


Schutzmaßnahmen:

Der Wurzelhalsschnellkäfer ist auf unbewirtschaftete alte Wälder angewiesen. Alte kernfaule, aufrechte Laubbäume, vor allem Buchen, sind potenzielle Entwicklungsbäume für diesen Käfer. Waldbereiche mit solchen Bäumen sollten als Alt- und Totholzinseln aus der Nutzung genommen werden. Insgesamt sollte in alten Wäldern im Umkreis bekannter Vorkommen eine extensive Forstwirtschaft praktiziert werden. Neben einer unmittelbaren Erfassung der Lebensräume geben auch Vorkommen des Schnellkäfers Ischnodes sanguinicollis Hinweise auf mögliche Vorkommen von Limoniscus violaceus.


Links:

www.arkive.org/violet-click-beetle/limoniscus-violaceus/image-A6242.html?offset=0px
www.delattinia.de/News_27022004.htm
www.hessen-forst.de/kaefer
www.elateridae.com/zobrbruk.php?id=3539


Literatur:

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Petersen, B.; Ellwanger, G.; Biewald, G.; Hauke, U.; Ludwig, G.; Pretscher, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.1: Pflanzen und Wirbellose. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/1. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 397-402.

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Copyright LfU - Stand: 30.01.2014
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.