Natura2000 FFH Artensteckbrief: Grüne Keiljungfer



Steckbrief zur Art 1037 der FFH-Richtlinie

Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia)


Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia)

Gruppe: Libellen

Merkmale:

Die Grüne Keiljungfer ist etwa 5 bis 5,5 cm groß mit einer Flügelspannweite von 6,5 bis 7.5 cm. Sie ist an ihrem leuchtend grünen Kopf und Thorax (Brust) zu erkennen. Der Hinterleib ist schwarz-gelb, wobei der hintere Bereich deutlich keilförmig verdickt ist.


Lebensraum:

Die Grüne Keiljungfer lebt an kühlen, mäßig rasch fließenden Bächen und Flüssen mit gleichmäßiger Strömung. Sie bevorzugt geschützt liegende Abschnitte als Aufenthaltsorte, beispielsweise Bereiche, in denen das Gewässer Waldlichtungen durchquert oder Bereiche mit höherer Ufervegetation. Eine Beschattung der Gewässer bis zu etwa einem Drittel wird toleriert, günstig sind jedoch gehölzarme Gewässer. In der Regel beträgt die Gewässertiefe in für die Grüne Keiljungfer günstigen Fließgewässerabschnitten etwa 30-40 cm. Wichtig für das Vorkommen der Art ist, dass die sandige Gewässersohle zum Teil bis über den Wasserspiegel reicht. Hier erfolgt die Eiablage.


Biologie und Ökologie:

Die Männchen halten sich in den gut besonnten Gewässerabschnitten auf.

Die Eiablage erfolgt im Bereich rasch fließender Gewässerabschnitte. Dabei dippen die Weibchen ihre Eipakete an seichte, sandige Stellen im Wasser, an denen es zu Lichtbrechungen kommt ("Glitzereffekt").

Die Larven leben meist mehrere hundert Meter flussabwärts der Stellen, die von den flugfähigen Libellen genutzt werden. Es gibt also eine deutliche Trennung zwischen dem Lebensraum der Larven und dem der erwachsenen, flugfähigen Individuen. Die Larve nutzt gut grabbare Substrate, wobei Schlamm meist gemieden und Feinsand eher bevorzugt wird. Die Larvenentwicklungszeit dauert 2-4 Jahre.
Als Schlupfsubstrat werden Gräser, Kräuter und Stauden bevorzugt. Etwa 85% der Larven schlüpfen in einer Höhe bis 30 cm über dem Wasserspiegel dicht am Ufer.

Der Reifungsflug erfolgt in die Fließgewässer begleitenden Wiesen. Kurze Zeit später fliegen die Tiere dann in die angrenzenden Wälder.

Der Aktionsradius der Männchen
beträgt am Fließgewässer ca. 400 m, wobei aber auch Strecken von über 3 km zurückgelegt werden können. Die Tiere halten sich nicht den ganzen Tag über am Fließgewässer auf, sondern nutzen u.a. auch mehrere hundert Meter weiter weg liegende, windgeschützte Wälder und reichstrukturierte Biotope in den an das Fließgewässer angrenzenden terrestrischen Bereichen als Nahrungsbiotop.


Verbreitung in Rheinland-Pfalz:

Die Grüne Keiljungfer kommt in der Pfalz aktuell an fast allen geeigneten Fließgewässern vor. Außerhalb der Pfalz sind Funde am Rhein bekannt. Zurzeit scheint sich die Art weiter auszubreiten.


Vorkommen in FFH-Gebieten:

5914-303 - Rheinniederung Mainz-Bingen
6511-301 - Westricher Moorniederung
6710-301 - Zweibrücker Land
6715-302 - Bellheimer Wald mit Queichtal
6812-301 - Biosphärenreservat Pfälzerwald
6914-301 - Bienwaldschwemmfächer


Gefährdungen:

Die Beseitigung der Strukturvielfalt innerhalb des Gewässerbetts führt zu erheblichen Eingriffen in die Lebensräume der Larven. Barrieren verhindern die Ausbreitung der Larven im Längsverlauf und stören die bachaufwärtsgerichteten Kompensationsflüge der Imagines.

Intensive Beschattung durch Ufergehölze, z.B. durch Anpflanzungen, reduziert die Eignung des Gewässers als Lebensraum ebenso wie die intensive Nutzung der gewässerangrenzenden Bereiche das Nahrungsangebot für die flugfähigen Tiere.

Bootsportaktivitäten greifen vor allem bei schmalen Bächen stark in die Lebensräume der Art ein.



Schutzmaßnahmen:

Zum Erhalt dieser Art ist der Schutz von größeren Abschnitten des Fließgewässersystems erforderlich. Bei der Untersuchung und Bewertung von Vorkommen der Grünen Keiljungfer ist in besonderem Maße zu beachten, dass die Lebensräume der Larven und flugfähigen Tiere räumlich stark voneinander getrennt sind. Es muss davon ausgegangen werden, dass ein Lebensraum der Grünen Keiljungfer mindestens 5 km lang sein sollte, um geeignete Lebensbedingungen sowohl für die Imagines als auch die Larven zu bieten (Beobachtungen an der Aurach in Bayern).


Links:

www.hlasek.com/ophiogomphus_cecilia_ah7749.html
www.makro-forum.de/artengalerie/thumbnails.php?album=149
www.natur-in-nrw.de/HTML/Tiere/Insekten/Libellen/TL-53.html
www.lbv.de/unsere-arbeit/life-natur-projekte/life-projekt-keiljungfer.html
www.libellen.li/portrait63b.html



Literatur:

Bellmann, H. (1987): Libellen beobachten - bestimmen. Melsungen.

Lingenfelder, U. (2004): Zur Verbreitung der grünen Flussjungfer - Ophiogomphus cecilia - in der Pfalz (Odonata: Gomphidae). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 10(2): 527-552.

Lingenfelder, U. (2009): Der Saarbach, die Libellen und die Wasserpest. Pollichia-Kurier 25(4): 44-49.

Lingenfelder, U. (2013): Die Libellen der Queichniederung (Insecta: Odonata). Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz 12(3): 921-998.

Petersen, B.; Ellwanger, G.; Biewald, G.; Hauke, U.; Ludwig, G.; Pretscher, P.; Schröder, E.; Ssymank, A. (Bearb.) (2003): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Bd.1: Pflanzen und Wirbellose. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/1. Bundesamt für Naturschutz, Bonn (Hrsg.): 593-601.

Röller, O. (2012): Aktuelle Meldungen der Grünen Keiljungfer (Ophiogomphus cecila) in der Pfalz. Pollichia-Kurier 28(4): 29-30.

Salm, P.; Müller, O. (2001): Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes) und Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia). In: Fartmann, T.; Gunnemann, H.; Salm, P.; Schröder, E.: Berichtspflichten in Natura 2000-Gebieten. Angewandte Landschaftsökologie 42: 344-351.

Suhling, F. & O. Müller (1996): Die Flussjungfern Europas. Neue Brehm Bücherei 628.

Schorr, M. (1996): Ophiogomphus cecilia.- In: Helsdingen, P. J., van, Willemse, L., Speight, M.C.D. (Hrsg.): Background information on invertebrates of the Habitat Directive and the Bern Convention. Part. II. Odonata: Aeshna viridis, Cordulegaster trinacriae, Leucorrhinia albifrons, Leucorrhinia caudalis, Leucorrhinia pectoralis, Lindenia tetraphylla, Ophiogomphus cecilia, Stylurus flavipes, Sympecma braueri. Nature and environment 80: 324-340.

Grimmer, F. & Werzinger, J.- In: Kuhn, K. & Burbach, K. (1998): Libellen in Bayern. Ulmer. Stuttgart: 114-115.


Copyright LfU - Stand: 10.02.2014
Größenangaben zum Schutz der Arten sind keine strikten Grenzwerte,
sondern Empfehlungen aufgrund fachlicher Erfahrungen.